Die Cartier Santos de Cartier Chronograph im Test

Stahl oder Stahl und Gold?

Die Santos gehört zu den Uhren, die man nicht lange erklären muss. Quadratisches Gehäuse, sichtbare Schrauben, römische Ziffern und das integrierte Armband reichen aus, um sie auch aus einiger Entfernung zu erkennen.

Mit dem neuen Santos de Cartier Chronograph wird dieses bekannte Design deutlich technischer. Drei Totalisatoren kommen hinzu, das Gehäuse wächst und auch am Handgelenk ist der Chronograph präsenter als die klassischen Santos Modelle.

Wir hatten zwei Versionen zum Test: die Santos de Cartier Chronograph in Edelstahl und das Modell in Edelstahl und Gelbgold. Technisch sind beide nahezu identisch. Am Handgelenk wirken sie trotzdem ziemlich unterschiedlich.

Der Cartier Santos de Cartier Chronograph
Zwei Varianten des neuen Santos de Cartier Chronographen: Edelstahl und die Kombination aus Edelstahl und Gelbgold.

Ein Chronograph mit Geschichte

Die Verbindung der Santos mit Alberto Santos Dumont reicht bis 1904 zurück. Damals bat der brasilianische Flugpionier Louis Cartier um eine Uhr, auf der er während des Fluges die Zeit ablesen konnte. Cartier greift diese Geschichte beim neuen Chronographen ganz bewusst wieder auf. Auch der Name des automatischen Manufakturkalibers 1904 CH MC verweist auf dieses Jahr.

Die neue Generation basiert auf dem Santos Chronographen von 2020, wurde aber in einigen Punkten überarbeitet. Cartier nennt vor allem das verfeinerte Zifferblatt und die schlankere Form. Angeboten wird der Chronograph in Gelbgold, Stahl und Gold sowie komplett in Edelstahl.

47,5 Millimeter klingt größer, als es sich trägt

Mit 47,5 × 39,8 Millimetern ist der Santos Chronograph definitiv keine kleine Uhr. Die Höhe liegt bei 11,6 Millimetern. Am Handgelenk relativieren sich diese Zahlen etwas. Die Santos hat keine klassischen Bandanstöße. Gehäuse und Armband gehen direkt ineinander über und die abgerundeten Seiten nehmen der Uhr optisch etwas Größe.

Natürlich bleibt sie präsent. Wer eine kleinere Santos gewohnt ist, wird den Unterschied sofort bemerken. Für einen automatischen Chronographen sind die Proportionen aber stimmig.

Der Cartier Santos de Cartier Chronograph
Die Edelstahlversion wirkt am geschlossensten. Gehäuse, Lünette und Band bilden optisch eine starke Einheit.

Bei der Stahlversion steht vor allem die Form im Vordergrund. Sie wirkt technisch und vergleichsweise zurückhaltend. Die polierten und satinierten Flächen sorgen trotzdem dafür, dass sich das Erscheinungsbild je nach Licht deutlich verändert.

Der Cartier Santos de Cartier Chronograph
Die Kombination aus Stahl und Gelbgold gibt dem Chronographen deutlich mehr Präsenz.

Bei Stahl und Gold sieht die gleiche Uhr sofort anders aus. Die goldenen Elemente betonen die Form stärker und geben der Santos mehr Schmuckcharakter. Gerade bei einer Uhr mit einem ohnehin sehr markanten Design funktioniert diese Kombination erstaunlich gut.

Viel los auf dem Zifferblatt

Ein Santos Chronograph muss drei Totalisatoren unterbringen, ohne dabei seinen typischen Charakter zu verlieren. Genau hier wird die neue Generation interessant.

Das silberfarbene Zifferblatt ist in der Mitte satiniert und besitzt am Rand einen Sonnenschliff. Dazu kommen die großen römischen Ziffern und schwarze schwertförmige Zeiger mit grünem Super LumiNova. Auch auf dem Rehaut kommt Leuchtmasse zum Einsatz.

Der Cartier Santos de Cartier Chronograph
Römische Ziffern, drei Totalisatoren und die typische Santos Minuterie. Trotz der vielen Informationen bleibt das Zifferblatt gut gegliedert.

Die kleine Sekunde sitzt bei 6 Uhr, der Minutenzähler bei 3 Uhr und der Stundenzähler bei 9 Uhr. Je nach Version sind die Zähler mit Rhodium oder Gelbgold eingefasst. In Edelstahl wirkt das Blatt etwas technischer. Bei der Bicolor Variante werden die einzelnen Ebenen stärker voneinander getrennt.

Der Cartier Santos de Cartier Chronograph
Bei der Bicolor Version greifen die goldenen Details des Zifferblatts die Elemente von Gehäuse und Armband auf.

Auch bei der Verarbeitung steckt einiges drin. Cartier spricht von mehr als 70 Arbeitsschritten für die Veredelung des Chronographen. Dazu gehören unter anderem das Prägen des Zifferblatts, die Zierlinien und das Auftragen der abschließenden Schutzschicht.

Der Cartier Santos de Cartier Chronograph
Krone und Chronographendrücker sitzen kompakt an der rechten Gehäuseseite.

Die siebeneckige Krone bleibt ein typisches Santos Detail. Bei den beiden getesteten Versionen ist sie mit einem facettierten synthetischen blauen Spinell besetzt. Die acht polierten Schrauben der Lünette sind ebenfalls untrennbar mit dem modelltypischen Design verbunden.

Wie trägt sich der Santos Chronograph?

Der Cartier Santos de Cartier Chronograph
Der Santos Chronograph in Edelstahl am Handgelenk.

Die Stahlversion trägt sich kompakter, als die Länge von 47,5 Millimetern vermuten lässt. Das liegt vor allem am Übergang zwischen Gehäuse und Armband. Die Uhr liegt breit auf, ohne dass klassische Hörner über das Handgelenk hinausragen.

Das Gewicht ist natürlich spürbar. Bei einer Uhr dieser Größe und mit massivem Stahlband gehört das aber auch ein Stück weit dazu.

Der Cartier Santos de Cartier Chronograph
Stahl und Gold am Handgelenk. Technisch identisch, optisch aber auffälliger.

Die Bicolor Version hat die gleichen Abmessungen, wirkt am Arm aber größer. Das ist vor allem eine optische Sache. Durch die goldenen Elemente werden Gehäuse, Lünette und Band stärker gegliedert.

Welche Variante besser funktioniert, ist deshalb weniger eine Frage der Technik als des persönlichen Geschmacks. Stahl ist zurückhaltender. Stahl und Gold zeigt deutlich mehr Präsenz.

Das Santos Armband als Highlight

Das Armband gehört für uns weiterhin zu den stärksten Teilen der Santos. Es ist nicht einfach an das Gehäuse angesetzt, sondern ein wesentlicher Bestandteil des Designs.

Der Cartier Santos de Cartier Chronograph
Auch von unten zeigt sich die typische Konstruktion des integrierten Santos Armbands.

Dazu kommen zwei praktische Systeme. Mit SmartLink können einzelne Bandglieder ohne klassisches Uhrmacherwerkzeug entfernt oder eingesetzt werden. Über QuickSwitch lässt sich das komplette Armband wechseln.

Bei beiden von uns getesteten Modellen gehört außerdem ein schwarzes Kautschukband dazu. Die Faltschließe lässt sich ebenfalls wechseln. Damit verändert sich die Uhr ziemlich deutlich. Am Metallband bleibt sie die klassische Santos. Mit Kautschuk wird der Chronograph wesentlich sportlicher.

Manufakturkaliber 1904 CH MC

Der Cartier Santos de Cartier Chronograph
In diesem Maschinenraum tickt, schwingt und schaltet das Kaliber 1904 CH MC.

Im Inneren arbeitet das automatische Manufakturkaliber 1904 CH MC. Der Chronograph wird klassisch über zwei Drücker gesteuert. Einer übernimmt Start und Stopp, der zweite setzt die Chronographenanzeigen zurück.

Die Gangreserve beträgt 47 Stunden. Dazu kommt eine Wasserdichtigkeit bis 10 bar. Cartier gibt außerdem einen erhöhten Schutz vor Magnetfeldern, Stößen und Temperaturschwankungen an.

Das passt zum Charakter der Uhr. Trotz polierter Flächen, Gold und klassischer Cartier Gestaltung ist der Santos Chronograph für den normalen Alltag gemacht.

Stahl oder Stahl und Gold?

Der Cartier Santos de Cartier Chronograph
Gleiche Konstruktion, komplett anderer Auftritt. Der Materialmix verändert den Charakter des Santos Chronographen deutlich.

Im direkten Vergleich war für uns vor allem interessant, wie unterschiedlich die beiden Versionen wirken. Die Stahlversion ist die ruhigere Uhr. Gerade weil auf zusätzliche Farbkontraste verzichtet wird, treten Gehäuseform, Schrauben und Zifferblatt stärker in den Vordergrund. Sie hat einen moderneren und technischeren Auftritt.

Stahl und Gold spielt stärker mit der klassischen Cartier Ästhetik. Die goldenen Details machen die Uhr auffälliger und etwas eleganter. Gleichzeitig verhindert das Stahlband, dass der Chronograph zu formell wirkt.

Fazit: Cartier Santos de Cartier Chronograph

Der Santos de Cartier Chronograph ist keine unauffällige Uhr. Dafür ist das Gehäuse zu groß, das Zifferblatt zu komplex und das Design der Santos ohnehin zu eigenständig.

Gerade deshalb funktioniert die neue Version gut. Trotz drei Totalisatoren und Chronographendrückern erkennt man auf den ersten Blick eine Santos. Cartier hat nicht versucht, daraus einen klassischen Sportchronographen zu machen.

Im Test hat uns vor allem das Zusammenspiel aus Gehäuse und Armband überzeugt. Die Uhr trägt sich besser, als die Abmessungen zunächst erwarten lassen. Dazu kommen die einfache Bandverstellung, QuickSwitch, 10 bar Wasserdichtigkeit und das automatische Manufakturkaliber.

Zwischen unseren beiden Testuhren liegen technisch kaum Unterschiede. Der eigentliche Unterschied entsteht am Handgelenk. In Stahl wirkt der Santos Chronograph moderner und etwas sachlicher. Stahl und Gold bringt mehr Kontrast und deutlich mehr Cartier ins Spiel. Die Preise liegen bei 14.300 Euro für Variante in Edelstahl und 17.900 Euro für das Modell in Stahl und Gold. 

Weitere Informationen finden Sie auf der Seite von Cartier hier. 


Text & Bilder ©David Schank, Watchlounge