Die Rolex Yacht-Master II
Vier Wochen zwischen Countdown und Sommergefühl
Die Rolex Yacht-Master II kehrt 2026 mit neuem Kaliber, grundlegend überarbeitetem Regatta-Countdown und einer deutlich ruhigeren Gestaltung zurück. Einen Monat lang begleitete die Referenz 126680 aus Oystersteel meinen Alltag, Reisen und Veranstaltungen. Zeit genug, um zu verstehen, weshalb sich 44 Millimeter kleiner tragen können, als sie klingen, wie ein mechanischer Countdown einen Regattastart begleitet und warum aus einem lange übersehenen Modell eine ernsthafte Alternative innerhalb der Professional Kollektion geworden ist.

Die Yacht-Master II stand vor diesem Test nicht auf meiner persönlichen Wunschliste. Ihr Vorgängermodell hatte ich zwar immer wieder gesehen, wirklich beschäftigt hatte ich mich mit ihm jedoch kaum. Die Uhr war groß, auffällig und mit ihrer halbkreisförmigen Countdown-Anzeige sofort als hoch spezialisiertes Instrument zu erkennen. Auch die Bedienung über das Ring-Command-System wirkte aus der Distanz komplexer als bei den meisten anderen Rolex Modellen.

Als die Nachricht kam, dass mich die neue Yacht-Master II einen Monat lang begleiten würde, war die Vorfreude trotzdem groß. Schließlich hatte Rolex auf der Watches and Wonders 2026 keine behutsame Modellpflege vorgestellt. Die neue Generation erhielt ein vollständig überarbeitetes Design, eine neu konstruierte Countdown-Bedienung und das Kaliber 4162. Das Resultat sollte puristischer, moderner und intuitiver sein.

Schon beim ersten Anlegen wurde deutlich, wie grundlegend sich die Wahrnehmung des Modells verändert hat. Die Yacht-Master II misst weiterhin 44 Millimeter. Am Handgelenk wirkt sie dennoch überraschend ausgewogen. Das Zifferblatt erscheint ruhiger, die Anzeigen sind klarer voneinander getrennt und die Drücker fügen sich so selbstverständlich in das Gehäuse ein, dass die Uhr weniger wie ein klassischer Chronograph wirkt. Aus einer Yacht-Master II, die man aus mehreren Metern Entfernung zweifelsfrei erkannte, ist eine Uhr geworden, deren technische Komplexität sich erst beim genaueren Hinsehen erschließt.
Von der Yacht-Master zur Yacht-Master II
Rolex und der Segelsport sind seit Jahrzehnten miteinander verbunden. 1958 begann die Partnerschaft mit dem New York Yacht Club, dem Gründer des America’s Cup. Im Laufe der folgenden Jahrzehnte kamen Kooperationen mit weiteren Yachtclubs, Regatten und Seglern hinzu. 1992 präsentierte Rolex die erste Yacht-Master. Die damalige Referenz 16628 erschien in 18 Karat Gelbgold und übertrug die robuste Architektur der Professional Modelle in eine bewusst elegantere, maritime Form. Die beidseitig drehbare Lünette mit 60-Minuten-Graduierung wurde zu einem charakteristischen Merkmal der Linie. 1999 folgten die ersten Rolesium-Ausführungen, bei denen Rolex Edelstahl Oystersteel mit Platin kombinierte.

Die Yacht-Master II, die 2007 vorgestellt wurde, verfolgte ein anderes Konzept. Trotz des gemeinsamen Namens war sie keine größere Yacht-Master mit zusätzlicher Funktion. Rolex entwickelte einen spezialisierten Regatta-Chronographen mit programmierbarem Countdown, mechanischem Speicher und einer Möglichkeit zur Synchronisation während des laufenden Countdowns. Die ursprüngliche Yacht-Master II wurde über die drehbare Lünette und das Ring-Command-System programmiert. Die Lünette war damit ein mechanischer Bestandteil der Bedienung. Das System war technisch außergewöhnlich, erforderte aber eine bestimmte Reihenfolge aus Drehen, Drücken und Einstellen. Die Uhr erklärte sich nicht auf den ersten Blick.

2026 kehrt die Yacht-Master II in umfassend überarbeiteter Form zurück. Geblieben sind ihr maritimer Charakter, der Gehäusedurchmesser von 44 Millimetern und der programmierbare Countdown. Nahezu alles, was der Träger sieht oder bedient, wurde neu geordnet.
Weshalb eine Regatta rückwärts zählt
Um die Yacht-Master II zu verstehen, muss man zunächst den Start einer Segelregatta verstehen. Die Boote warten dabei nicht bewegungslos hinter einer Linie. Schon vor dem eigentlichen Start bewegen sie sich im Startbereich, beobachten Wind, Strömung, Gegner und die eigene Entfernung zur Linie. Das Ziel besteht darin, diese Linie mit möglichst hoher Geschwindigkeit und in einer strategisch günstigen Position zu überqueren, allerdings erst ab dem offiziellen Startsignal.

Nach dem Standardverfahren der aktuellen World Sailing Racing Rules erfolgt fünf Minuten vor dem Start ein Warnsignal. Vier Minuten vor dem Start folgt das Vorbereitungssignal, eine Minute vorher wird die entsprechende Flagge entfernt, bei null beginnt das Rennen. Für die Crew sind diese Minuten entscheidend. Ein zu früher Start kann eine Strafe oder die Rückkehr hinter die Linie erforderlich machen. Wer zu spät kommt, verliert bereits in den ersten Metern wertvolle Positionen. Die Yacht-Master II wurde für genau dieses Zeitfenster entwickelt.

Ihr Countdown lässt sich auf eine Dauer von bis zu zehn Minuten einstellen. Die gewählte Dauer bleibt mechanisch gespeichert. Wird derselbe Ablauf für den nächsten Lauf erneut benötigt, muss die Uhr nicht noch einmal programmiert werden. Der Countdown kann zurückgesetzt und mit derselben Ausgangszeit neu gestartet werden.
Eine vollständig neue Ordnung
Beim Vorgängermodell beanspruchte die Countdown-Skala einen großen Halbkreis auf der oberen Hälfte des Zifferblatts. Die neue Yacht-Master II verlegt die Skala auf einen erhöhten Ring am äußeren Rand. Sie läuft von zehn bis null, die halben Minuten sind durch kleine Dreiecke markiert. Die verbleibenden Minuten zeigt ein zentraler Zeiger mit großer Dreiecksspitze an. Der ebenfalls zentral angeordnete Countdown-Sekundenzeiger übernimmt die Sekunden. Beide bewegen sich gegen den Uhrzeigersinn. Für Rolex ist diese Laufrichtung eine Premiere. Sie entspricht der Logik der Funktion: Die verbleibende Zeit wird sichtbar weniger, bis beide Anzeigen null erreichen.

Das normale Uhrwerk bleibt davon optisch getrennt. Stunden und Minuten werden aus dem Zentrum angezeigt, die laufende Sekunde sitzt in einem kleinen Hilfszifferblatt bei 6 Uhr. Die roten Akzente gehören fast ausschließlich zum Countdown. Auf den ersten Blick ist die neue Yacht-Master II deshalb vor allem eine weiß-blaue Uhr. Das Rot hält sich zurück. Erst bei genauerer Beschäftigung wird deutlich, wie konsequent Rolex die Farbe einer bestimmten Aufgabe zugeordnet hat. Die rote Dreiecksspitze zeigt die verbleibenden Minuten, der rote Zentralzeiger die Sekunden. Die Uhrzeit bleibt optisch ruhiger, während der Countdown bei seiner Aktivierung in den Vordergrund tritt.

Auch auf ein Datum verzichtet die Yacht-Master II. Während des Monats habe ich es nicht vermisst. Ein Datumsfenster hätte eine weitere Information auf ein Zifferblatt gebracht, das sich sehr bewusst auf seinen Einsatz konzentriert. Vor einem Regattastart sind Minuten und Sekunden entscheidend. Das aktuelle Datum spielt in diesem Moment keine Rolle.
44 Millimeter, die ihre Größe gut verpacken
Die Referenz 126680 besitzt ein Oyster-Gehäuse aus Edelstahl. Es misst 44 Millimeter im Durchmesser und 13,9 Millimeter in der Höhe. Die Stegbreite beträgt 22 Millimeter. Eine verschraubte Triplock-Krone, ein verschraubter Boden und Saphirglas tragen zu einer Wasserdichtheit bis 100 Meter bei. Diese Zahlen lassen eine ausgesprochen große Uhr erwarten. Ich trage selbst am liebsten Modelle zwischen 40 und 42 Millimetern. Mit 43 oder 44 Millimetern komme ich ebenfalls gut zurecht, ab 45 Millimetern wirken Uhren an meinem Handgelenk meist zu groß.

Während der vier Wochen dachte ich allerdings kein einziges Mal bewusst darüber nach, eine besonders große Uhr zu tragen. Die Yacht-Master II blieb präsent, fühlte sich aber eher wie eine leicht überdurchschnittlich dimensionierte Sportuhr an. Sie wirkte weder unangenehm hoch noch kopflastig. Dazu trägt das neu gestaltete Gehäuse bei. Der Mittelteil besitzt bombierte Flanken und ein schlankeres Profil. Gleichzeitig wurde das Oyster-Band gegenüber dem Vorgängermodell etwas verbreitert, um die Proportionen zwischen Uhr und Band auszubalancieren. Die Schließe fällt schlanker aus. Rolex hat den Durchmesser also nicht reduziert, wohl aber die Art verändert, wie sich diese 44 Millimeter verteilen.

Ich trug die Uhr im normalen Arbeitsalltag, auf Veranstaltungen und auf Reisen. Sie blieb dabei durchgängig am Handgelenk. Unter eine Hemdmanschette gleitet sie nicht so beiläufig wie eine flache Dresswatch. Sie stört dort jedoch auch nicht. Ihre Dimensionen vermitteln eher den Eindruck, dass diese Uhr sichtbar bleiben und etwas erleben möchte. Das massive Oyster-Band macht die Yacht-Master II spürbar. Eine Uhr dieser Größe kann die Physik nicht vollständig verbergen. Durch die breite Auflage und die ausgewogene Gewichtsverteilung wird ihre Masse aber sehr gleichmäßig auf das Handgelenk übertragen.
Weiß, Blau und sofort Sommer
Kaum eine Eigenschaft hat meine Wahrnehmung der Yacht-Master II so stark geprägt wie ihre Farbgebung. Das Zifferblatt ist mit einem neuen matten weißen Lack versehen. Rolex nutzt die matte Oberfläche, um störende Reflexionen zu reduzieren. Die applizierten Indizes und die Zeiger bestehen bei der Edelstahlversion aus 18 Karat Weißgold. Um das Zifferblatt liegt die blaue Cerachrom-Zahlenscheibe mit ihrer 60-Minuten-Graduierung.

Das Weiß ist dabei so rein, dass man meinen könnte, alle Weißtöne der Welt hätten hier ihren Ursprung. Es besitzt für mein Auge weder einen warmen Cremeanteil noch einen kühlen Grau- oder Blaustich. Es ist klares, unmittelbares Weiß. Die Keramiklünette verändert ihren Charakter mit dem Licht. In Innenräumen kann sie dunkelblau erscheinen und stellenweise einen leicht violetten Unterton entwickeln. In direkter Sonne leuchtet sie deutlich heller. Je nach Reflexion reicht das Spektrum bis zu einem fast pastelligen Babyblau.

Gemeinsam erzeugen Zifferblatt und Lünette eine ausgesprochen sommerliche Wirkung. Beim Spaziergang in der Sonne reicht ein kurzer Blick auf die Uhr, um an Wasser, Strand und einen hellen Horizont zu denken. Die Yacht-Master II fällt auf, doch ihre Auffälligkeit entsteht weniger aus demonstrativer Größe als aus Licht und Farbe. Sie strahlt gute Laune aus. Die hohe Helligkeit des Zifferblatts bringt allerdings eine gestalterische Abwägung mit sich. Die Zeiger für Stunden und Minuten treten auf dem weißen Untergrund vergleichsweise dezent auf. Im Alltag verlangte die normale Uhrzeit gelegentlich einen etwas bewussteren Blick, als ich es von kontrastreicheren Zifferblättern gewohnt bin.

Beim Countdown verhält es sich anders. Die roten Anzeigen sind vor dem Weiß unmittelbar zu erfassen. Die normale Uhrzeit rückt optisch etwas zurück, während die für den Regattastart relevante Funktion klar hervortritt. In der konkreten Aufgabe der Yacht-Master II ist diese Hierarchie nachvollziehbar.
Einmal erklärt, sofort verstanden
Die größte funktionale Veränderung betrifft die Programmierung des Countdowns. Die Lünette ist bei der neuen Generation nicht mehr Teil des Ring-Command-Systems. Die vollständige Bedienung erfolgt über die beiden Drücker an der rechten Gehäuseseite. Mit jedem Druck auf den unteren Drücker bewegt sich der Countdown-Minutenzeiger um eine Position. Auf diese Weise wird die gewünschte Dauer eingestellt. Der obere Drücker startet und stoppt den Countdown.

Der zentrale rote Sekundenzeiger setzt sich gegen den Uhrzeigersinn in Bewegung. Der Minutenzeiger mit Dreiecksspitze folgt schrittweise der Skala auf dem Höhenring. Der mechanische Speicher hält die programmierte Ausgangsdauer für den nächsten Start bereit. Besonders wichtig ist die Synchronisation „im Flug“. Hat der Skipper die Funktion beim ersten Signal einige Sekunden zu früh oder zu spät gestartet, kann er den unteren Drücker betätigen. Der zentrale Sekundenzeiger springt auf null und läuft nach dem Loslassen sofort weiter. Gleichzeitig korrigiert sich der Minutenzeiger auf die nächstgelegene volle Minute. Die Anzeige wird damit an ein späteres offizielles Vorbereitungssignal angepasst, ohne den gesamten Countdown neu programmieren zu müssen.

Nach Ablauf der eingestellten Dauer stoppt der Minutenzeiger bei null. Der zentrale Sekundenzeiger läuft weiter, bis er über den oberen Drücker angehalten wird. Beim Zurücksetzen springen die Zeiger auf die zuvor gespeicherte Ausgangszeit zurück. Ohne Erklärung hätte ich die Bedienung vermutlich nicht sofort hergeleitet. Der Grund liegt weniger in einer komplizierten Logik als in der ungewöhnlichen Aufgabe. Bei einer mechanischen Armbanduhr rechnet man zunächst nicht damit, dass zwei zentrale Zeiger rückwärts laufen und sich während des Betriebs auf ein externes Signal synchronisieren lassen.

Nachdem mir der Ablauf einmal gezeigt worden war, ließ sich die Funktion ausgesprochen intuitiv bedienen. Das Einstellen benötigt nur wenige Sekunden. Start, Synchronisation, Stopp und Rückstellung sind klar voneinander getrennt. Funktional lässt sich kaum vorstellen, wie Rolex den Vorgang einfacher hätte gestalten können. Im normalen Alltag ist ein lautloser mechanischer Countdown naturgemäß eine spezialisierte Funktion. Er erinnert nach Ablauf nicht mit einem Ton oder einer Vibration. Man muss die Anzeige beobachten.

Bei einer Regatta ist genau das vorgesehen. Dort richtet sich die Aufmerksamkeit der Crew ohnehin auf Signale, Startlinie und verbleibende Zeit. Außerhalb dieses Umfelds habe ich den Countdown häufiger aus technischer Begeisterung als aus praktischer Notwendigkeit gestartet. Gerade darin liegt ein Teil seines Reizes. Unter dem Zifferblatt arbeitet ein Mechanismus für eine sehr konkrete Aufgabe, die kaum eine andere Armbanduhr in dieser Form beherrscht.
Eine Lünette mit neuer Aufgabe
Obwohl die Lünette ihre Rolle bei der Programmierung verloren hat, bleibt sie funktional. Die Cerachrom-Zahlenscheibe besitzt eine 60-Minuten-Graduierung. In der ersten halben Stunde ist sie in Minutenschritten unterteilt. Damit lassen sich Zeitintervalle erfassen, beispielsweise die Fahrzeit zwischen zwei Bojen. Die Lünette kann in beide Richtungen gedreht werden. Das unterscheidet ihren Einsatz klar von einer Taucherlünette, die aus Sicherheitsgründen üblicherweise nur gegen den Uhrzeigersinn verstellt werden kann.

Steht das Dreieck der Lünette bei 12 Uhr, lässt sich während der letzten Minute des Countdowns außerdem die erste Hälfte der Skala für die verbleibenden 30 Sekunden verwenden. Der rückwärtslaufende Zentralzeiger trifft dabei auf die Markierungen der Keramikzahlenscheibe.

Das Drehen der Lünette gehörte während des Monats zu den Details, die ich immer wieder bewusst ausprobiert habe. Ihre Bewegung fühlt sich fast gedämpft an. Jeder Schritt ist klar definiert. Auch akustisch entsteht ein zurückhaltendes, technisch sauberes Klicken. Es ist schwer vorstellbar, wie eine Drehlünette präziser und satter umgesetzt werden könnte. Je häufiger ich sie bediente, desto deutlicher wurde, wie viel Entwicklungsarbeit in einem Bauteil steckt, das bei einem flüchtigen Blick selbstverständlich wirkt.
Die schärfsten nicht scharfen Kanten
Bei der Gehäusebearbeitung lässt sich Rolex Qualität nur unzureichend mit Begriffen wie „hochwertig“ oder „präzise“ beschreiben. Entscheidend ist der Übergang zwischen visueller Schärfe und haptischer Sanftheit. Ich beschreibe es gerne als die schärfsten nicht scharfen Kanten, die es gibt. Die Linien des Gehäuses wirken klar gezogen. Satinierte Oberseiten treffen präzise auf polierte Flanken. Fasst man diese vermeintlich scharfen Übergänge an, fühlen sie sich jedoch weich und vollständig kontrolliert an. Nichts kratzt oder drückt.

Ähnlich sorgfältig sind die beiden Drücker abgestimmt. Ihre Form orientiert sich an Winschen, also den Seilwinden, mit denen Leinen auf einem Segelboot kontrolliert werden. Auf dem Weg zum Druckpunkt bewegen sie sich weich und gedämpft. Dann folgt ein klarer mechanischer Klick, den man gleichzeitig fühlt und hört. Die Triplock-Krone lässt sich sauber aufschrauben, einstellen und wieder verschrauben. Jeder Kontakt vermittelt den Eindruck, dass Bedienkomfort und Robustheit gemeinsam entwickelt wurden.

Das dreireihige Oyster-Band setzt diesen Eindruck fort. Seine Glieder sind massiv, an den Außenseiten satiniert und in der Mitte poliert. Die Oysterlock-Sicherheitsfaltschließe verhindert ein unbeabsichtigtes Öffnen. Über Easylink kann das Band ohne Werkzeug um ungefähr fünf Millimeter verlängert werden. Das System ist schnell und zuverlässig. Es bietet allerdings zwei klar definierte Längen. Eine stärker abgestufte Feinverstellung hätte hier zusätzlichen Spielraum geschaffen. Band und Schließe gehören dennoch zu den Komponenten, über die man im Alltag kaum nachdenken muss, weil ihre grundlegende Funktion so ausgereift wirkt.
Wenn eine Uhr Spuren bekommt
Die polierten Flächen des Oyster-Bandes und der Schließe zeigen bei regelmäßigem Tragen naturgemäß feine Spuren. Nach einem Monat waren vor allem auf dem polierten Bereich der Schließe einige Mikrokratzer zu erkennen. Im normalen Alltag fielen sie kaum auf. Erst in direktem Licht und aus kurzer Entfernung wurden sie sichtbar.

Mich haben diese Spuren nicht gestört. Uhren sind für mich Gegenstände, mit denen man Zeit verbringen soll. Sie gehören ans Handgelenk, auf Reisen, zu Veranstaltungen und in den Alltag. Eine makellose Uhr im Safe bewahrt ihre Oberfläche. Eine getragene Uhr sammelt Erinnerungen. Die ersten feinen Linien auf einer Schließe sind deshalb kein Zeichen dafür, dass man zu wenig aufgepasst hat. Sie zeigen, dass die Uhr tatsächlich Teil des eigenen Lebens war.
Kaliber 4162: Die Technik hinter dem Countdown
Im Inneren arbeitet das neue Kaliber 4162. Es ist eine Weiterentwicklung des Kalibers 4161, wurde vollständig von Rolex entwickelt und gefertigt und bleibt der Yacht-Master II vorbehalten. Die Countdown-Funktion basiert auf einer Chronographenarchitektur mit Schaltrad und vertikaler Kupplung. Diese Konstruktion ermöglicht einen unmittelbaren Start ohne sichtbares Zittern des Zeigers. Der neue Mechanismus zur Programmierung über den unteren Drücker wurde zum Patent angemeldet.

Das Werk arbeitet mit einer Frequenz von 28.800 Halbschwingungen pro Stunde, entsprechend 4 Hertz, und besitzt 47 Rubine. Die Hemmung aus einer Nickel-Phosphor-Legierung verbindet einen hohen Wirkungsgrad mit Widerstandsfähigkeit gegenüber Magnetfeldern. Der automatische Aufzug erfolgt über den beidseitig aufziehenden Rotor. Voll aufgezogen bietet das Kaliber eine Gangreserve von rund 72 Stunden. Die Brücken tragen Rolex Côtes de Genève, bei denen eine feine polierte Rille zwischen den Streifen verläuft. Eine durchbrochene Schwungmasse gibt den Blick auf Teile des Werks frei, auch wenn das Kaliber im Alltag hinter dem massiven, verschraubten Gehäuseboden verborgen bleibt.

Die Yacht-Master II trägt die Zertifizierung als Superlative Chronometer. Seit 2026 umfasst diese neben Ganggenauigkeit, Wasserdichtheit, automatischem Aufzug und Gangreserve auch Kriterien zur Unempfindlichkeit gegenüber Magnetfeldern, Zuverlässigkeit und Langlebigkeit. Nach dem Einschalen muss die Gangabweichung innerhalb von minus zwei bis plus zwei Sekunden pro Tag liegen.
„Ist das die neue Yacht-Master II?“
Während der vier Wochen wurde ich mehrfach auf die Uhr angesprochen. Die Frage war fast immer dieselbe: „Ist das die neue Yacht-Master II?“

Besonders in Erinnerung blieb eine Watchlounge Veranstaltung. Eine Gruppe von Sammlern stand zusammen, als einer von ihnen auf die Uhr an meinem Handgelenk aufmerksam wurde. Die Reaktionen ähnelten meiner eigenen Erfahrung. Mehrere Sammler erklärten, dass sie die bisherige Yacht-Master II nie besonders stark auf dem Schirm gehabt hätten. Bei der neuen Generation änderte sich das innerhalb weniger Minuten.

Immer wieder fielen dieselben Beobachtungen. Die Uhr wirke aufgeräumter, moderner und erheblich tragbarer als erwartet. Auch an kleineren Handgelenken lösten die 44 Millimeter deutlich weniger Zurückhaltung aus, als die Zahl vermuten ließ. Diese Szene wiederholte sich in ähnlicher Form bei Freunden und Bekannten. Wer die Yacht-Master II nur aus technischen Daten oder von Bildern kannte, erwartete meist eine deutlich massivere und extrovertiertere Uhr. Am Handgelenk entstand fast immer derselbe Überraschungsmoment.
Das Rolex Gefühl
Vor diesem Monat hatte ich noch keine Rolex über einen so langen Zeitraum getragen. Die Qualität der Marke war mir aus zahlreichen Begegnungen mit ihren Uhren natürlich bekannt. Im täglichen Umgang bekommt sie jedoch eine andere Dimension.

Man erlebt die Verarbeitung nicht für wenige Minuten bei einem Termin. Man öffnet die Schließe jeden Morgen, betätigt die Krone, dreht die Lünette und sieht die Uhr in unterschiedlichsten Lichtverhältnissen. Gerade diese Wiederholung macht verständlich, weshalb viele Details bei Rolex als Referenz gelten. Hinzu kommt die kulturelle Bedeutung der Krone. Ein Blick auf die Schließe erinnert an eine Marke, deren Geschichte mit Sport, Forschung, Entdeckungsreisen und einigen der bekanntesten Persönlichkeiten ihrer Zeit verbunden ist.
Oystersteel und Gelbgold
Getragen habe ich die Referenz 126680 aus Edelstahl. Sie liegt in Deutschland bei 19.500 Euro. Daneben bietet Rolex die Referenz 126688 vollständig aus 18 Karat Gelbgold an. Sie übernimmt das 44 Millimeter große Gehäuse, das weiße Zifferblatt, die blaue Cerachrom-Zahlenscheibe und das Kaliber 4162.

Die versenkten Ziffern und Graduierungen der Lünette sind bei ihr mit Gelbgold statt Platin beschichtet. Das Oyster-Band besitzt Keramikeinsätze um die Metallstifte, die seine Geschmeidigkeit unterstützen und vorzeitigem Verschleiß entgegenwirken. Der deutsche Listenpreis der goldenen Variante beträgt 58.500 Euro.
Die neue Rolex Yacht-Master II: Was nach einem Monat bleibt
Vor diesem Monat war die Yacht-Master II für mich eine Uhr, die ich kaum auf dem Schirm hatte. Ihr Vorgänger erschien mir groß, sehr präsent und in seiner Bedienung vergleichsweise komplex. Bei einer persönlichen Auswahl hätte das Modell keine größere Rolle gespielt.
Nach vier Wochen sehe ich in der neuen Yacht-Master II eine ausgesprochen attraktive Alternative zu Submariner, GMT-Master II und Sea-Dweller. Sie besitzt einen eigenständigen technischen Zweck, eine unverwechselbare Farbgebung und Proportionen, die sich am Handgelenk wesentlich zugänglicher zeigen, als es 44 Millimeter erwarten lassen. Die neue Bedienung ist nach einer kurzen Erklärung intuitiv. Das Kaliber 4162 übersetzt einen komplexen Regattaablauf in wenige klar definierte Handgriffe. Gehäuse, Lünette, Drücker, Band und Schließe vermitteln bei jeder Berührung das Qualitätsniveau, das man von Rolex erwartet.
Am meisten vermisse ich heute allerdings das helle Blau der Lünette, dieses vollkommen reine Weiß des Zifferblatts und vor allem das sommerliche, gute Gefühl, das die Uhr an sonnigen Tagen ausstrahlt. Die Yacht-Master II kam als ein Modell, das ich kennenlernen wollte. Nach einem Monat ging sie als eine Uhr, die ich wirklich ins Herz geschlossen hatte.
Weitere Informationen zu Rolex finden Sie auf der Seite der Marke hier.
Text ©Cedric Schneiders, Watchlounge Editor • Bilder ©Cedric Schneiders & ©Rolex SA








