Hüter der Quelle: Steve Boyes und die Mission zum Schutz von Afrikas Wassertürmen
Wenn der Forscher und Naturschützer Steve Boyes in ein Einbaumkanu steigt, beginnt für ihn nicht nur eine Reise, er taucht ein in ein lebendiges Archiv afrikanischer Naturgeschichte. Seit mehr als einem Jahrzehnt folgt Boyes dem Puls der großen Ströme des Kontinents und misst ihren Herzschlag hautnah. Mit Unterstützung der Rolex Perpetual Planet Initiative prägt seine Arbeit inzwischen maßgeblich unser Verständnis über die Quellen von Afrikas wichtigsten Wasserläufen und darüber, wie dringend sie geschützt werden müssen.

Die Neuentdeckung des Ursprungs eines Flusses
Der Sambesi, dessen Ursprung lange anders verortet wurde, hat ein überraschendes Geheimnis preisgegeben. Durch die Great Spine of Africa-Expeditionen, im Jahr 2022 von Boyes unter seiner Organisation „The Wilderness Project“ gestartet, konnte nun wissenschaftlich bewiesen werden: Die wahre Quelle des Flusses liegt tief in den Angolanischen Highlands.

Dieser Erkenntnis gingen jahrelange Forschung und über 30.000 Kilometer Expeditionen voraus. Boyes und sein Team dokumentierten unzugängliche Flussläufe, kartierten bisher unbekannte Auenlandschaften und kombinierten ihre Daten mit hochauflösenden Satellitenbildern. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse wurden im September in einem wissenschaftlichen Fachjournal veröffentlicht und gelten bereits jetzt als Meilenstein der afrikanischen Hydrologie.
Im Zentrum ihrer Arbeit steht Lisima Lya Mwono – die „Quelle des Lebens“ – ein System aus Seen, Zuflüssen und den zweitgrößten je entdeckten tropischen Torfmooren Afrikas. Boyes erinnert sich lebhaft an seine erste Begegnung mit dieser Landschaft:
„Ich fand es erstaunlich, dass dieses Gebiet nicht bereits global anerkannt war. Es ist beispiellos.“

Der Wettlauf gegen die Zeit: Die Ramsar-Konvention 2025
Mit den Ergebnissen mehrjähriger Forschung reiste Boyes zur Ramsar-Konvention 2025 nach Simbabwe, dem bedeutendsten internationalen Gipfel zum Schutz von Feuchtgebieten. Unweit der donnernden Victoriafälle komprimierte er ein Jahrzehnt wissenschaftlicher Arbeit in eine bloß 15-minütige Rede. Sein Ziel: Lisima Lya Mwono als Ramsar-Gebiet anerkennen zu lassen.
Eine Anerkennung würde dem Gebiet (gigantische 15 Millionen Hektar groß) internationalen Schutzstatus verleihen und es zu einem der größten Ramsar-Gebiete weltweit machen. 172 Nationen nehmen an der Konvention teil, und ihre Entscheidung wird über nachhaltige Bewirtschaftung, Schutzstatus und internationale Zusammenarbeit bestimmen.

Unter den Zuhörern waren bedeutende Persönlichkeiten wie Musonda Mumba, Generalsekretärin der Ramsar-Konvention, und Nyambe Nyambe, Geschäftsführer des Kavango Zambezi Transfrontier Conservation Area (KAZA TFCA). Mit ihrer Unterstützung und der wissenschaftlichen Evidenz im Rücken, ist das Team optimistisch, dass die Anerkennung nur noch wenige Monate entfernt ist.

Die Weisheit der wahren Flusshüter
Schon vor seiner Rede tat Boyes etwas Entscheidendes: Er wandte sich an die Menschen des Flusses. Erstmals seit 60 Jahren versammelten sich Könige und Stammesoberhäupter entlang des Sambesi, um seine Erkenntnisse zu hören und zu bewerten. Ihr überliefertes Wissen hatte schon immer darauf hingewiesen, dass die wahre Quelle des Flusses in den Angolanischen Highlands liegt. Nun bestätigte die Wissenschaft, was die lokalen Gemeinschaften seit Generationen wussten. Boyes betont, wie wichtig ihre Zustimmung war:
„Flüsse vereinen Menschen über Grenzen hinweg. Diese Gemeinden sind die wahren Hüter des Wassers. Es ist eine Vereinbarung über fünf Länder hinweg, gemeinsam die Ökosysteme zu überwachen.“

Aufbruch zu Afrikas großen Wassertürmen
Boyes’ Arbeit begann aber gar nicht in Angola. Seit 25 Jahren erforscht er Feuchtgebiete, insbesondere im Okavango-Delta in Botswana. Doch die Hochländer Angolas, sagt er, seien anders. Hier entspringen die Wassertürme Afrikas, natürliche Speicher, die die Quellen des Sambesi, Kongo, Niger und Nil speisen. Die Lebensadern für zwei Drittel der afrikanischen Wirtschaft und Hunderte Millionen Menschen.
Seine Great Spine of Africa-Expeditionen wurden ins Leben gerufen, um genau diese Wassertürme erstmals wissenschaftlich zu erfassen. Mit der Unterstützung von Rolex absolvierte das Team 20 Expeditionen im Jahr 2024, und für 2025 hat Boyes gleich 25 geplant. Ihr langfristiges Ziel: 1,2 Millionen Quadratkilometer Flusseinzugsgebiete, Plateaus und Wasserwege bis 2035 unter Schutz stellen zu lassen.
Doch die Arbeit fordert ihren Preis. Neun Monate im Jahr ist Boyes im Feld, paddelt bis zu acht Stunden täglich. Er wurde von Hippos gekentert, von Elefanten angegriffen und verbrachte sechs Tage im Krankenhaus mit Malaria. Und dennoch macht er weiter.
„Nur 14 Prozent Afrikas stehen unter Schutz“, sagt er. „Überall an den Flussquellen leben Menschen, die diese Gebiete traditionell schützen. Sie müssen einfach anerkannt werden.“

Wie Rolex Partnerschaften für den Planeten ermöglicht
Boyes’ Mission ist Teil der Rolex Perpetual Planet Initiative, die 2019 ins Leben gerufen wurde, um Menschen und Projekte zu unterstützen, die den Planeten bewahren. Rolex fördert seit fast einem Jahrhundert Entdecker, doch heute steht nicht mehr die Eroberung der Welt im Mittelpunkt, sondern ihr Schutz.
Die Initiative umfasst inzwischen mehr als 30 Partner in drei Bereichen:
- Ozeane: etwa Mission Blue und Rolex Testimonee Sylvia Earle
- Landschaften: darunter die National Geographic Society und die Great Spine of Africa-Expeditionen
- Wissenschaft, Gesundheit & Technologie: mit Innovatoren wie Andrew Bastawrous und Miranda Wang
Zudem unterstützt Rolex Organisationen, die die nächste Generation von Forschern, Wissenschaftlern und Entdeckern ausbilden, darunter The Explorers Club, die Royal Geographical Society und die EPFL in Lausanne.

Warum die Geschichte von Steve Boyes so viel (er)zählt
Der Sambesi versorgt über 20 Millionen Menschen. Der Kongo und der Nil mehrere Hundert Millionen weitere. Was in den nebelverhangenen Hochländern Angolas geschieht, wird die Hydrologie eines ganzen Kontinents prägen. Die Arbeit von Steve Boyes zeigt nicht nur, wo diese lebensspendenden Flüsse entspringen, sondern warum ihre Ursprungsorte geschützt werden müssen. Die Botschaft ist klar: Wer die Quelle schützt, schützt alles, was darunterliegt.
Für Rolex ist es eine Fortsetzung der eignen Philosophie, menschliche Leistung zu würdigen und gleichzeitig Verantwortung für die Zukunft unseres Planeten zu übernehmen. Für Boyes ist es ein Lebenswerk, denn für ihn tragen die Flüsse Afrikas nicht nur Wasser, sondern Hoffnung.
Weitere Informationen zu der Rolex Perpetual Planet Initiative und der Mission von Steve Boyes finden Sie auf der Seite der Marke hier.
Text ©David Schank, Watchlounge









