Rolex Perpetual Padellone

Ein vertrautes Gesicht, ein neuer Kalender

Mit der Perpetual Padellone greift Rolex eine seiner ungewöhnlichsten historischen Uhren auf. Hinter Mondgesichtern und klassischer Kalenderanordnung arbeitet das neue Kaliber 7190 mit fünf Hertz, Dynapulse-Hemmung und einem bemerkenswert reduzierten Jahreskalendermechanismus. Drei Ausführungen in Everose-Gold und Platin eröffnen ein weiteres Kapitel der jungen Perpetual Kollektion.

An dieser Rolex bleibt der Blick zunächst am Mond hängen. Er hat ein Gesicht, steht zwischen Sternen und besteht aus Meteorit. Darüber erscheinen Wochentag und Monat in zwei kleinen Fenstern, während ein blauer Zeiger das Datum am Zifferblattrand markiert. Die neu vorgestellte Perpetual Padellone bedient sich einer vertrauten Sprache klassischer Kalenderuhren. Was dabei besonders interessiert, liegt unter dem Zifferblatt: Rolex verbindet diese Gestaltung mit jener Werkarchitektur, die 2025 in der Land-Dweller debütierte.

Eine Erinnerung an die Referenz 8171

Das historische Vorbild stammt aus einer Phase, in der das heutige Bild von Rolex noch im Entstehen war. Die Ende der 1940er-Jahre eingeführte Referenz 8171 vereinte Automatikaufzug, Vollkalender und Mondphase in einem für damalige Verhältnisse großen Gehäuse. Ihr Durchmesser von 38 Millimetern und die schmale Lünette gaben dem Zifferblatt ungewöhnlich viel Raum.

Bemerkenswert war auch der Verzicht auf ein Oyster-Gehäuse. Während Wasserdichtheit zunehmend zum Selbstverständnis der Marke gehörte, besaß die 8171 einen aufgedrückten Boden. Die 1950 vorgestellte Referenz 6062 bot eine vergleichbare Kalenderanordnung im Oyster-Gehäuse. Damit standen zwei unterschiedliche Interpretationen der komplizierten Rolex nebeneinander, deren Fertigung bereits in den frühen 1950er-Jahren endete.

Die neue Padellone übernimmt den Sammlernamen der 8171 nun als offizielle Modellbezeichnung. Innerhalb der 2023 mit der 1908 eingeführten Perpetual Kollektion ist sie das zweite Modell. Für diese noch junge Linie bedeutet das eine deutliche Erweiterung: Zum klassischen Erscheinungsbild kommt ein Kalender, dessen Konstruktion eine ausführlichere Betrachtung lohnt.

Was der Kalender tatsächlich kann

Wochentag, Datum, Monat und Mondphase ergeben zunächst das Bild eines traditionellen Vollkalenders. Die entscheidende technische Eigenschaft der Padellone ist ihre automatische Unterscheidung zwischen Monaten mit 30 und 31 Tagen. Solange die Uhr durchläuft, benötigt der Kalender lediglich beim Übergang von Februar zu März eine manuelle Korrektur. Sie besitzt also einen Jahreskalender.

Rolex nennt das zugrunde liegende System Haplos. Es ergänzt den Datumsmechanismus um zwei Bauteile: einen zusätzlichen Mitnehmerfinger und einen Jahreshebel. Die Programmierung sitzt auf der Rückseite der Monatsscheibe und informiert den Hebel darüber, welcher Monat gerade angezeigt wird. Die Monatsscheibe übernimmt damit zugleich eine Aufgabe innerhalb der Kalendersteuerung.

Die konstruktive Stärke des Haplos-Systems liegt darin, den vorhandenen Datumsmechanismus mit lediglich zwei zusätzlichen Bauteilen um die automatische Unterscheidung zwischen Monaten mit 30 und 31 Tagen zu erweitern.

Hinzu kommt der springende Wechsel: Die fälligen Umschaltungen von Datum, Wochentag und Monat erfolgen um Mitternacht gleichzeitig in Sekundenbruchteilen. Zur Bedienung dienen vier seitliche Korrektoren für Monat, Datum, Mondphase und Wochentag. Alle Anzeigen lassen sich jederzeit einstellen, ohne das Werk zu beeinträchtigen. Gerade bei einer Kalenderuhr, die nach einer längeren Tragepause neu eingestellt werden muss, ist diese Freiheit ein großer Vorteil.

Der Mond bleibt vollständig sichtbar

Die Mondphase bei sechs Uhr weicht vom gewohnten Prinzip ab. Ihre blau emaillierte Scheibe bleibt vollständig sichtbar und dreht sich innerhalb von 29,53 Tagen einmal um die eigene Achse. Ein dreieckiger Indikator darüber dient als Bezugspunkt. Vollmond und Neumond wandern im Verlauf des Zyklus abwechselnd an diese Position.

Die Phase ergibt sich dadurch aus der Stellung der beiden Darstellungen. Eine Blende, die den Mond schrittweise verdeckt und wieder freigibt, ist für diese Anzeige nicht vorgesehen. Das verlangt zunächst einen anderen Blick, lässt dafür aber die gesamte Gestaltung der Scheibe sichtbar.

Beide Monde bestehen aus Meteorit, wobei eine dunkelblaue PVD-Beschichtung den Neumond kennzeichnet. Die Gesichter und silberfarbenen Sterne werden im Tampondruck aufgebracht. Das Mondgesicht greift ein Detail des historischen Vorbilds auf. Gerade diese kleine figürliche Darstellung verleiht der ansonsten streng geordneten Anzeige einen eigenen Charakter.

Kaliber 7190: Die Verbindung zur Land-Dweller

Das vollständig von Rolex entwickelte und gefertigte Automatikwerk 7190 basiert auf dem Kaliber 7135 der Land-Dweller. Es arbeitet mit 36.000 Halbschwingungen pro Stunde, entsprechend fünf Hertz, und bietet etwa 66 Stunden Gangreserve. Der Rotor zieht in beide Richtungen auf.

Zum technischen Kern gehört die Dynapulse-Hemmung aus Silizium mit sequenzieller Verteilung. Als Bindeglied zwischen Räderwerk und Oszillator bestimmt die Hemmung wesentlich mit, wie effizient die gespeicherte Energie genutzt wird. Rolex führt die Gangreserve des 7190 auf die Konstruktion des Federhauses und den hohen Wirkungsgrad dieser Hemmung zurück.

Auch der Oszillator folgt der neueren Rolex-Werkentwicklung. Die Syloxi-Spirale aus Silizium besitzt für die hohe Frequenz besonders kräftige Windungen. Eine Unruhwelle aus Keramik, eine Unruh aus optimiertem Messing und das optimierte Paraflex-Antischocksystem ergänzen die Konstruktion. Die Materialwahl soll insbesondere die Widerstandsfähigkeit gegenüber Magnetfeldern unterstützen.

Rolex nennt 30 Patentanmeldungen, die das Kaliber schützen, darunter zwei exklusiv für das 7190. Im Rahmen der Zertifizierung als Superlative Chronometer gilt eine Toleranz von minus zwei bis plus zwei Sekunden täglich, gemessen nach dem Einschalen.

Durch den Saphirglasboden werden die durchbrochene Schwungmasse aus Gelbgold und die verzierten Brücken sichtbar. Bei den Rolex Côtes de Genève trennt eine feine polierte Rille die einzelnen Streifen. Die Finissierung gibt damit auch auf der Rückseite Anlass, genauer hinzusehen.

Drei Ausführungen, eine gemeinsame Form

Das Gehäuse misst 39 Millimeter im Durchmesser und 12,20 Millimeter in der Höhe. Die Lünette verbindet einen bombierten oberen Bereich mit einer feinen Riffelung darunter. Gewölbtes, beidseitig entspiegeltes Saphirglas schließt die Vorderseite ab; die Wasserdichtheit beträgt 50 Meter.

Zwei Ausführungen tragen die Referenz 53505 und bestehen aus 18 Karat Everose-Gold. Ihr tiefweißes, matt gekörntes Zifferblatt wird von einem fein satinierten Außenrand eingefasst. Zur Wahl stehen ein mattbraunes Alligatorlederband mit Dualclasp-Doppelfaltschließe und das vollständig polierte, siebenreihige Settimo-Band mit verdeckter Crownclasp-Faltschließe. Letzteres wurde 2025 an der 1908 vorgestellt.

Die Referenz 53506 kombiniert Platin 950 mit einem eisblauen, ebenfalls gekörnten Zifferblatt und mattschwarzem Alligatorleder. Ihre Dualclasp-Schließe besteht gleichfalls aus Platin. Beide Lederbänder besitzen ein grünes Futter aus Kalbsleder.

Ein historischer Entwurf bekommt eine neue Aufgabe

Die Bedeutung der Padellone liegt in der Konsequenz, mit der Rolex die historische Kalendergestaltung technisch weiterentwickelt. Die Anordnung bewahrt ihre Vertrautheit, während Jahreskalender, Sofortwechsel und jederzeitige Korrektur konkrete Vorteile in der Handhabung bieten.

Zugleich erhält die moderne Werkarchitektur aus der Land-Dweller hier einen anderen gestalterischen Rahmen. Das macht die Padellone auch jenseits ihres Sammlernamens interessant: Sie zeigt, wie viel Raum für komplizierte, klassisch gezeichnete Uhren innerhalb der heutigen Rolex-Kollektion besteht. Das Mondgesicht mag den ersten Blick gewinnen. Der Kalendermechanismus gibt dem zweiten seine Substanz.

Weitere Informationen zu Rolex finden Sie auf der Seite der Marke hier.


Text ©Cedric Schneiders, Watchlounge Editor • Bilder ©Rolex