Rolex Neuheiten 2026: Alle neuen Modelle der Watches & Wonders im Überblick

Rolex Cosmograph Daytona: Rolesium, Grand-Feu-Email und eine neue Cerachrom-Lesart

Die neue Daytona ist innerhalb der Rolex-Neuheiten 2026 vielleicht die Uhr, die am deutlichsten zeigt, wie sehr sich bekannte Formen über Material und Oberfläche neu lesen lassen. Auf den ersten Blick bleibt sie klar Daytona: 40 mm, Oyster-Band, dunkle Lünette, weißes Blatt, die vertraute Tri-Compax-Architektur. Erst beim zweiten Blick wird klar, dass hier mehrere Premieren zusammenkommen. Rolex kombiniert den Cosmograph Daytona erstmals in Rolesium, also Edelstahl Oystersteel und Platin. Dazu kommen eine neue anthrazitfarbene Cerachrom-Lünette mit metallischem Effekt, ein weiß emailliertes Zifferblatt und ein transparenter Gehäuseboden. Gerade diese Mischung macht die Uhr interessant. Sie wirkt nicht wie eine radikale Neuerfindung, sondern wie eine sehr gezielte Verdichtung bekannter Daytona-Codes.

Das Zifferblatt ist einer der stärksten Punkte dieser Ausführung. Es entsteht in Grand-Feu-Email, also in einem aufwendigen Verfahren, bei dem die Emaille bei über 800 Grad gebrannt wird. Bemerkenswert ist hier vor allem die technische Umsetzung: Die Emaille wird nicht klassisch direkt auf eine Metallgrundscheibe gebracht, sondern zunächst auf Keramikplatten aufgetragen, die später auf eine Messingbasis gesetzt werden. So entstehen sowohl das Hauptblatt als auch die drei Totalisatoren. Dem gegenüber steht die anthrazitfarbene Lünette, deren Keramik mit Wolframkarbid angereichert wurde und die über eine neu gestaltete Tachymeterskala mit horizontal gesetzten, „schwebenden“ Ziffern verfügt, ein klarer Verweis auf frühe Daytona-Gestaltung. Der Platinring um die Lünette und der Platinbodenring halten das Ganze materiell zusammen.

Im Inneren arbeitet das Kaliber 4131, ein automatisches Chronographenwerk mit Schaltrad, vertikaler Kupplung und rund 72 Stunden Gangreserve. Die reduzierte Zahl der Komponenten in der Chronographenfunktion zielt klar auf höhere Zuverlässigkeit. Dazu kommen Chronergy-Hemmung, blaue Parachrom-Spirale, Paraflex-Antischocksystem und die für das Werk typische Rolex-Côtes-de-Genève-Finissierung. Sichtbar wird all das durch den Saphirboden, hinter dem die durchbrochene Schwungmasse aus Gelbgold sitzt. Zusammen mit 100 Metern Wasserdichtheit, Oysterlock-Schließe und Easylink-Verlängerung bleibt diese Daytona nicht bei einer reinen Materialgeschichte stehen. Sie ist eine sehr moderne Daytona, die Technik, Handwerk und Markenästhetik ungewöhnlich sauber zusammenführt.

Rolex Yacht-Master II: Regatta-Countdown, neues Kaliber 4162 und ein klarerer Auftritt

Die neue Yacht-Master II ist keine vorsichtige Modellpflege, sondern eine echte Neuauflage einer der speziellsten Rolex-Uhren überhaupt. Seit ihrer Einführung 2007 stand sie für eine Nische, die außerhalb des Segelsports fast exotisch wirkte: Regatta-Countdown mit mechanischem Speicher und Synchronisation „im Flug“. 2026 kehrt sie nun in einer neuen Generation zurück, und Rolex geht den richtigen Weg. Nicht mehr komplizierter, sondern klarer. Die Uhr ist in Edelstahl Oystersteel oder 18 Karat Gelbgold erhältlich, bleibt bei 44 mm Durchmesser und positioniert sich weiterhin als maritime Professional Watch. Der große Unterschied liegt in der Funktionslogik. Die Anzeige wurde neu organisiert, die Bedienung vereinfacht, das Werk vollständig überarbeitet. Gerade dadurch wirkt die Yacht-Master II heute überzeugender als früher: weniger wie ein technisches Statement um seiner selbst willen, mehr wie ein präzise geschärftes Werkzeug.

Die sichtbarste Veränderung sitzt auf dem Blatt. Die Countdown-Skala ist nun auf einen Höhenring verlegt und reicht von zehn bis null Minuten, mit halben Minuten in Dreiecksform. Das matte weiße Zifferblatt reduziert Reflexe, die applizierten Professional-Indizes sorgen für klare Orientierung. Hinzu kommt eine für Rolex bemerkenswerte Premiere: Countdownminuten- und Countdownsekundenzeiger laufen gegen den Uhrzeigersinn. Das klingt zunächst wie ein Effekt, ist in der Praxis aber ein Ablesevorteil, weil die Anzeige einer ablaufenden Zeitspanne intuitiver wird. Die blaue Cerachrom-Zahlenscheibe auf der in beide Richtungen drehbaren Lünette bleibt ein starkes Erkennungsmerkmal, ist jetzt aber enger in die Funktion eingebunden. In der ersten halben Stunde lässt sich auf ihr sogar die letzte halbe Minute des Countdowns sekundengenau ablesen. Auch formal wurde die Uhr gestrafft: schlankerer Mittelteil, breiteres Band, schlankere Schließe, Drücker in winschinspirierter Form.

Im Inneren arbeitet das neue Kaliber 4162, eine Weiterentwicklung des früheren 4161, jetzt mit komplett überarbeiteter Countdown-Mechanik. Besonders wichtig ist der neue Einstellmechanismus: Statt über Ring-Command und Lünette wird der Countdown nun ausschließlich über den unteren Drücker programmiert, Minute für Minute, während der obere Drücker Start und Stopp übernimmt. Das macht die Bedienung endlich so logisch, wie die Funktion es immer verdient hätte. Technisch bringt das Werk Chronergy-Hemmung, Parachrom-Spirale, Paraflex-Antischocksystem, 47 Steine und rund 72 Stunden Gangreserve mit. Dazu kommen Rolex Côtes de Genève und eine durchbrochene Schwungmasse. 100 Meter Wasserdichtheit, Oysterlock-Schließe und Easylink-Verlängerung runden das Paket ab. Diese Yacht-Master II ist damit nicht einfach die Rückkehr eines alten Exoten, sondern die bislang schlüssigste Version dieser Idee.

Rolex Oyster Perpetual 41: Rolesor gelb, Jubiläumsdetails und ein Echo der Ursprünge

Die neue Oyster Perpetual 41 ist innerhalb der 2026er-Neuheiten diejenige, die das Jubiläum der Oyster am direktesten sichtbar macht. Rolex bringt hier erstmals Rolesor gelb in die aktuelle Oyster-Perpetual-Linie, also die Kombination aus Edelstahl Oystersteel und Gelbgold. Entscheidend ist dabei die Art, wie diese Zweifarbigkeit umgesetzt wird. Anders als bei den klassischen Rolesor-Konfigurationen bleiben die Mittelelemente des Armbands aus Edelstahl und nicht aus Gold. Gelbgold sitzt nur dort, wo es die Uhr akzentuiert: an der bombierten, polierten Lünette und an der Krone. Genau dadurch wirkt die Uhr nicht wie eine luxuriösere Abzweigung, sondern wie eine sehr kontrollierte Neuinterpretation des elementarsten Rolex-Themas. Hinzu kommen mehrere Verweise auf den 100. Geburtstag der Oyster: die Reliefzahl „100“ auf der Aufzugskrone, der Schriftzug „100 years“ bei 6 Uhr und grüne Quadratmarkierungen an den Fünf-Minuten-Abständen der Minuterie. Das schiefergraue, radial geschliffene Blatt hält diese Hinweise zusammen, ohne die Uhr in reine Gedenklogik kippen zu lassen.

Technisch bleibt die Oyster Perpetual 41 ihrer Rolle als Purist treu. 41 mm Durchmesser, 11,60 mm Höhe, 100 Meter Wasserdichtheit, Oyster-Gehäuse mit Twinlock-Krone und Saphirglas. Das Oyster-Band ist satiniert und trägt polierte Flanken, geschlossen über eine Oysterclasp-Faltschließe mit Easylink-Verlängerung um rund 5 mm. Diese Nüchternheit ist wichtig, weil sie den Charakter der Uhr sichert. Gerade bei einer Jubiläumsuhr wäre die Versuchung groß gewesen, stärker in Richtung Sondermodell zu gehen. Stattdessen bleibt die Architektur betont zurückhaltend. Auch die Leuchtmasse ist klassisch Rolex: Chromalight auf Indizes und Zeigern, jeweils in Fassungen aus 18 Karat Gelbgold, während der Sekundenzeiger schlicht in Gold ausgeführt ist. Die Uhr trägt ihre Bedeutung also nicht über eine neue Funktion, sondern über kleine Verschiebungen in Material, Farbe und Symbolik.

Im Inneren arbeitet das Kaliber 3230, das auch die Oyster Perpetual 36 antreibt. Automatik, 4 Hz, 31 Rubine, rund 70 Stunden Gangreserve, dazu Chronergy-Hemmung, blaue Parachrom-Spirale, Paraflex-Antischocksystem und die typische Feinregulierung über Microstella-Muttern. Die Funktionen bleiben konsequent reduziert auf Stunden, Minuten und Sekunden. Genau das passt. Die Oyster Perpetual 41 soll kein Komplikationsträger sein, sondern die Reinform des Armbandchronometers. Mit der 2026 erweiterten Superlative-Chronometer-Zertifizierung, die jetzt auch Magnetfeldresistenz, Zuverlässigkeit und Langlebigkeit stärker einbezieht, wird dieser Anspruch zusätzlich geschärft. Diese Uhr funktioniert deshalb nicht nur als Jubiläumsmodell, sondern auch als klare Aussage darüber, wie Rolex seine Ursprungsuhr heute versteht: weniger museal als verdichtet.

Rolex Datejust 41: Grün ombré, Weißgoldlünette und ein Klassiker im neuen Licht

Die neue Datejust 41 ist keine Uhr, die über ein neues Format oder eine neue Funktion Aufmerksamkeit sucht. Ihr Hebel ist das Zifferblatt. Rolex kombiniert die Datejust 41 in Rolesor weiß, also Edelstahl Oystersteel und Weißgold, mit einem grün lackierten Ombré-Zifferblatt und trifft damit genau den Punkt, an dem ein extrem vertrautes Modell plötzlich anders gelesen werden kann. Grün ist bei Rolex nie nur Farbe, und Ombré nie nur Dekor. In dieser Neuheit wird beides zusammengeführt, aber nicht über Stein oder Emaille, sondern vollständig über Lack. Genau dadurch wirkt die Uhr kontrollierter als viele Farbexperimente der letzten Jahre. Die Datejust bleibt Datejust, aber ihre Atmosphäre wird dichter, tiefer und etwas dramatischer.

Der Aufbau des Blatts ist dabei erstaunlich präzise. Zuerst wird der grüne Grundton lackiert, anschließend entsteht der Dégradé-Effekt durch konzentrisch aufgesprühten schwarzen Lack. Das Ergebnis ist ein Verlauf, der nach außen sichtbar abdunkelt und die weißen Beschriftungen besonders stark hervortreten lässt. Hinzu kommen Chromalight-Indizes und -Zeiger mit blauer Leuchtmasse, jeweils in Fassungen aus 18 Karat Weißgold, während die geriffelte Lünette ebenfalls in Weißgold ausgeführt ist. Gerade dieses Wechselspiel aus kühlem Metall und sattem Grün macht die Uhr spannend. Mit 41 mm Durchmesser, 11,60 mm Höhe und 100 Metern Wasserdichtheit bleibt die Datejust technisch genau dort, wo sie sein muss: robust, alltagstauglich, aber klar in der klassischen Linie verankert. Das Oyster-Band mit Oysterclasp-Schließe und Easylink-Verlängerung unterstreicht diesen etwas sachlicheren, sportlicheren Auftritt gegenüber einer Jubilee-Konfiguration.

Im Inneren arbeitet das Kaliber 3235, ein automatisches Rolex-Manufakturwerk mit Chronergy-Hemmung, blauer Parachrom-Spirale, Paraflex-Antischocksystem und rund 70 Stunden Gangreserve. Die Funktionen bleiben entsprechend klar: Stunden, Minuten, Sekunden und der springende Datumswechsel bei 3 Uhr mit Schnellkorrektur. Gerade diese technische Stabilität ist wichtig, weil sie die Datejust historisch absichert. Seit 1945 steht das Modell für den Archetyp der klassischen Rolex-Armbanduhr, als erste automatische und wasserdichte Armbanduhr mit Datum im Sichtfenster. Diese Neuheit will daran nichts ändern. Sie nutzt diese gefestigte Plattform vielmehr, um zu zeigen, wie wirkungsvoll ein einziger, sehr gut gesetzter Eingriff sein kann. Nicht lauter, nicht komplizierter, sondern einfach stimmiger im Licht.

Rolex Day-Date 40: Jubilee Gold, Aventurin und Prestige in weicherem Ton

Die neue Day-Date 40 setzt 2026 nicht auf eine neue Funktion, sondern auf einen neuen Ton. Rolex führt mit ihr Jubilee Gold ein, eine neue, vollständig intern entwickelte und hergestellte 18-Karat-Goldlegierung. Ihr Charakter liegt zwischen zartem Gelb, warmem Grau und sanftem Rosa. Genau das macht diese Uhr so spannend: Sie will nicht über plakative Farbigkeit beeindrucken, sondern über ein Material, das sich im Licht ständig leicht verschiebt. Dazu kommt ein hellgrünes Aventurin-Zifferblatt aus natürlichem Stein, ergänzt um zehn Diamanten im Baguetteschliff als Stundenmarker. In Summe ist das eine Day-Date, die sehr deutlich luxuriös ist, aber nicht über Härte oder Kontrast arbeitet, sondern über eine weiche, fast schimmernde Präsenz.

Formal bleibt die Uhr ganz in ihrer Linie. 40 mm Durchmesser, geriffelte Lünette, President-Band, Tagesanzeige bei 12 Uhr, Datum bei 3 Uhr. Gerade diese Stabilität ist wichtig, weil sie zeigt, dass Rolex den Charakter der Day-Date nicht verschiebt, sondern innerhalb ihres klassischen Rahmens neu färbt. Das President-Band ist dabei mehr als nur ein bekanntes Detail. Es gehört seit 1956 zur Identität der Day-Date und bleibt auch hier exklusiv dem Edelmetallmodell vorbehalten. In der neuen Jubilee-Gold-Version ist es mit verdeckter Crownclasp-Schließe ausgeführt, dazu mit Keramikeinsätzen in den Bandelementen, die Geschmeidigkeit und Verschleißfestigkeit verbessern sollen. Auch das Gehäuse bleibt mit 100 Metern Wasserdichtheit und Twinlock-Krone technisch ganz auf Rolex-Niveau.

Im Inneren arbeitet das Kaliber 3255, also jenes Automatikwerk, das neben Stunden, Minuten und Sekunden auch den springenden Wechsel von Wochentag und Datum steuert. 70 Stunden Gangreserve treffen hier auf die bekannte technische Architektur mit Chronergy-Hemmung, blauer Parachrom-Spirale und Paraflex-Antischocksystem. Hinzu kommt die 2026 erweiterte Superlative-Chronometer-Zertifizierung, die nun auch Unempfindlichkeit gegenüber Magnetfeldern, Zuverlässigkeit und Langlebigkeit stärker einbezieht. Historisch bleibt die Day-Date ohnehin eine Sonderstellung innerhalb der Marke: Seit ihrer Einführung 1956 ist sie ausschließlich in Edelmetall erhältlich und gilt bis heute als prestigeträchtigste Rolex. Genau deshalb funktioniert diese neue Ausführung so gut. Sie will keine Revolution sein, sondern eine sehr kontrollierte Verfeinerung eines ohnehin extrem gefestigten Modells.

Rolex Oyster Perpetual 36: Das Jubilee-Motiv als farbige Zifferblattarchitektur

Die neue Oyster Perpetual 36 ist vermutlich die auffälligste der vier Neuheiten, weil sie mit einer Sprache arbeitet, die man in dieser Modelllinie so nicht erwartet. Ihr Zifferblatt greift das Jubilee-Motiv auf, aber nicht als bloßes Zitat. Rolex baut es vollständig neu auf und verwandelt es in eine farbige, fast animierte Komposition, die aus den Buchstaben des eigenen Namens entsteht. Insgesamt zehn Farbtöne greifen ineinander, setzen Kontraste und schaffen eine Oberfläche, die zugleich verspielt und erstaunlich präzise wirkt. Wichtig ist dabei, dass dieses Blatt nicht einfach bunt sein will. Es ist eine Neuinterpretation eines historischen Markenmotivs, das schon Ende der 1970er-Jahre existierte, nun aber viel grafischer und deutlich zeitgenössischer gedacht wird. Gerade auf einer Oyster Perpetual, also dem schlichtesten Rahmen im Rolex-Programm, wirkt dieses Blatt deshalb besonders stark. Die Uhr lebt nicht von Materialwechseln oder Edelmetall, sondern fast ausschließlich von ihrer Oberfläche.

Die technische Basis bleibt bewusst nüchtern. Edelstahl Oystersteel, 36 mm Durchmesser, 11,60 mm Höhe, bombierte polierte Lünette und Oyster-Band mit Oysterclasp-Schließe und Easylink. Auch hier stehen 100 Meter Wasserdichtheit auf dem Datenblatt. Dieses sachliche Gehäuse ist genau die richtige Entscheidung, weil es dem Blatt nicht Konkurrenz macht. Bei den Proportionen bleibt Rolex ebenfalls diszipliniert. Nichts an dieser Uhr will in Richtung Schmuck oder Sonderedition kippen. Selbst die Indizes und Zeiger bleiben im vertrauten Raster: Chromalight-Leuchtmasse in Weißgoldfassungen, dazu ein Sekundenzeiger ebenfalls in 18 Karat Weißgold. Die grafische Verdichtung passiert also fast vollständig im Zifferblatt und nicht im Rest der Uhr. Das macht die Oyster Perpetual 36 innerhalb der Neuheiten so interessant. Sie ist diejenige, die am stärksten über Gestaltung argumentiert und trotzdem technisch vollkommen auf Linie bleibt.

Innen arbeitet, wie bei der 41, das Kaliber 3230. Die Eckdaten sind bekannt, aber in dieser Uhr besonders sinnvoll: 4 Hz, ca. 70 Stunden Gangreserve, Chronergy-Hemmung, Parachrom-Spirale und Paraflex-Antischocksystem. Alles daran ist auf Stabilität und Alltag angelegt, nicht auf Schauwerte. Das passt zur Oyster Perpetual als Modellidee. Gerade weil das Blatt so visuell präsent ist, braucht die Uhr im Hintergrund technische Ruhe. Genau das liefert das Werk. Zusammen mit der verschärften Superlative-Chronometer-Zertifizierung wird daraus eine Uhr, die die klassische Rolex-Form nicht verlässt, aber ihre Oberfläche neu denkt. Vielleicht ist das sogar die klügste der vier Neuheiten: die einfachste Plattform, aber das mutigste Blatt.

Rolex Oyster Perpetual 34: Everose-Gold, Blue stone und eine ruhigere Materialuhr

Die Oyster Perpetual 34 ist vielleicht die ausgewogenste der vier Neuheiten, weil sie das Schmuckhafte der kleinen Vollgold-Modelle mit einer spürbar ruhigeren, erwachseneren Farblogik verbindet. Das Gehäuse besteht aus 18 Karat Everose-Gold, das Zifferblatt trägt den neuen Farbton Blue stone, und bei 3, 6 und 9 Uhr sitzen Indizes aus Dumortierit, einem natürlichen Stein mit wechselnden hell- und dunkelblauen Partien. Gerade diese Kombination macht die Uhr so stimmig. Das Roségold bringt Wärme, das Blau kühlt optisch herunter, und der Dumortierit sorgt dafür, dass die Steinindizes nicht wie applizierte Effekte wirken, sondern wie eine Vertiefung des Zifferblatttons. Die Uhr ist dadurch deutlich eleganter als die gelbgoldene 28, aber nicht distanzierter. Eher konzentrierter. Sie zeigt sehr gut, wie stark Rolex inzwischen auch über Materialabstimmung arbeitet und nicht nur über reine Farbe.

Die Proportionen helfen dabei. Mit 34 mm Durchmesser und 10,60 mm Höhe sitzt die Uhr genau zwischen klassischer Zurückhaltung und moderner Präsenz. Auch hier bleibt das Finish überwiegend satiniert, was dem Everose-Gold eine samtige Wirkung gibt, während die bombierte Lünette poliert ist und die Form klar rahmt. Das Oyster-Band folgt derselben Logik: satinierte Flächen, polierte Flanken, dazu Keramikeinsätze in den Bandelementen, Oysterclasp und Easylink. Technisch ist diese Uhr also genauso robust gedacht wie die übrigen Oyster Perpetuals, inklusive 100 Metern Wasserdichtheit, Twinlock-Krone und Saphirglas. Nur die Art, wie sie das Licht trägt, ist eine andere. Die Oyster Perpetual 34 ist keine bunte oder symbolisch aufgeladene Jubiläumsuhr, sondern eine Materialuhr. Ihr Reiz entsteht daraus, wie Gold, Lack und Naturstein miteinander sprechen.

Wie bei der 28 arbeitet auch hier das Kaliber 2232 mit Syloxi-Spirale aus Silizium, paramagnetischem Hemmungsrad, Paraflex-Antischocksystem und etwa 55 Stunden Gangreserve. Die Funktionen bleiben bewusst elementar: Stunden, Minuten, Sekunden. Gerade dadurch kann die Uhr vollständig über Proportion, Oberfläche und Materialbalance wirken. Sie bleibt eine Oyster Perpetual in Reinform und entzieht sich trotzdem dem Verdacht, bloß die kleinere Schwester anderer Modelle zu sein. Innerhalb der vier Neuheiten ist sie vielleicht die subtilste, aber genau deshalb auch eine der überzeugendsten. Sie zeigt, dass Rolex selbst in seiner elementarsten Linie sehr präzise mit Nuancen arbeitet.

Rolex Oyster Perpetual 28: Gelbgold, Green stone und die kleine Oyster als Schmuckuhr

Die Oyster Perpetual 28 ist die kleinste der vier Neuheiten, aber keineswegs die leiseste. Im Gegenteil: Sie markiert einen deutlichen Schritt, weil Rolex die aktuelle Oyster-Perpetual-Linie hier in vollständig 18 Karat Gelbgold übersetzt. Damit verschiebt sich die Uhr sichtbar in Richtung Schmuckuhr, ohne ihren Kern als Oyster Perpetual zu verlieren. Entscheidend dafür ist das Zifferblatt in Green stone, ein neuer Lackton, der mit drei Indizes aus Heliotrop bei 3, 6 und 9 Uhr kombiniert wird. Diese Steine wurden mit einem Spitzbogenschliff ausgearbeitet, um Struktur und Farbspiel hervorzuheben und Reflexe zu minimieren. Genau dieser Punkt ist spannend: Die Uhr arbeitet nicht einfach mit Edelmetall plus Farbe, sondern mit Materialtiefe. Das Grün des Blatts wird durch das natürliche Spiel des Heliotrops aufgenommen und differenziert, sodass die Oberfläche deutlich lebendiger wirkt als bei einem rein lackierten Zifferblatt.

Auch beim Finish geht Rolex hier einen anderen Weg als üblich. Die vollgoldene Oyster Perpetual 28 zeigt überwiegend satinierte Flächen, was für die aktuellen Oyster-Perpetual-Modelle typisch ist, bei komplett aus Edelmetall gefertigten Ausführungen aber neu wirkt. Das Gold bekommt dadurch eine weichere, fast textile Anmutung, während die bombierte Lünette poliert bleibt und das Licht viel klarer reflektiert. Gerade im kleinen Format von 28 mm funktioniert dieser Kontrast besonders gut. Die Uhr wirkt nicht wie eine verkleinerte Dresswatch, sondern wie eine bewusst kompakte, modern gefasste Gold-Oyster. Hinzu kommen 10,50 mm Höhe, 100 Meter Wasserdichtheit, Oyster-Band mit Oysterclasp und Easylink sowie Keramikeinsätze in den Bandelementen, die die Geschmeidigkeit verbessern und Verschleiß reduzieren. Technisch ist also nichts weichgezeichnet, auch wenn die Optik deutlich luxuriöser geworden ist.

Im Inneren arbeitet das Kaliber 2232. Im Unterschied zu den größeren Modellen nutzt es nicht die Chronergy-Hemmung, sondern eine Syloxi-Spirale aus Silizium und ein paramagnetisches Hemmungsrad aus Nickel-Phosphor-Legierung. Die Frequenz liegt ebenfalls bei 4 Hz, die Gangreserve bei rund 55 Stunden. Dazu kommen Paraflex-Antischocksystem und die bekannte Regulierung über Microstella-Muttern. Funktional bleibt alles auf Stunden, Minuten und Sekunden beschränkt. Genau darin liegt die Stärke dieser Uhr. Sie nimmt die Oyster Perpetual nicht als bloße Einstiegs- oder Basislinie, sondern zeigt, wie elegant sich das elementare Rolex-Prinzip in ein kleines, vollständiges Edelmetallformat übertragen lässt.

Weitere Informationen zu Rolex finden Sie auf der Seite der Marke hier.


Text ©Cedric Schneiders, Watchlounge Editor • Bilder ©Rolex