Roger Dubuis Metamorph Merlin
Die Kunst der Verwandlung
Zwölf goldene Ritter umgeben eine Landschaft aus tiefgrünem Glas und unterschiedlich hohen Säulen. Mit der Excalibur The Metamorph Merlin schließt Roger Dubuis seine Merlin-Trilogie ab und widmet sich der Verwandlungskunst des legendären Zauberers. Die auf 28 Exemplare limitierte Edition verbindet Mikroskulptur, Gehäusegravur und ein nach den Anforderungen des Poinçon de Genève finissiertes Automatikwerk. Ihre spannendsten Details erschließen sich weit über das Zifferblatt hinaus.

Eine sechs Millimeter große Ritterfigur lässt wenig Platz für Individualität. Roger Dubuis nutzt ihn dennoch für unterschiedliche Körperhaltungen, fein ausgearbeitete Rüstungen und Gesichter. Zwölf dieser Figuren stehen auf dem Zifferblatt der neuen Metamorph Merlin. Zwischen ihnen erhebt sich eine geometrische Landschaft, deren grüne Glasflächen und goldene Akzente das Licht auf unterschiedliche Weise aufnehmen. Schon die Zusammenstellung macht neugierig: Wie viel räumliche Tiefe lässt sich in einer Armbanduhr unterbringen, und wie lässt sich eine mittelalterliche Sage durch solche Formen ausdrücken?

Die Antwort liegt in der Verbindung verschiedener Handwerke. Gravur, Mikroskulptur, Oberflächenbearbeitung und Uhrwerkgestaltung greifen bei dieser Excalibur ineinander. Besonders reizvoll ist dabei, dass Roger Dubuis die erzählerischen Details über mehrere Ansichten verteilt. Zur Szene auf dem Zifferblatt kommen Reliefs an den Gehäuseflanken und eine Schwungmasse, deren Gestaltung das Thema auf der Rückseite fortführt.
Merlins dritte Gestalt
Seit mehr als einem Jahrzehnt beschäftigt sich Roger Dubuis innerhalb der Kollektion Knights of the Round Table mit der Artussage. Merlin erhielt darin eine eigene Trilogie. Den Anfang machte 2024 die Omniscient Merlin, die seiner allumfassenden Weisheit gewidmet war. 2025 folgte die Enchanter Merlin mit dem Schwerpunkt auf seinen magischen Fähigkeiten. Die Metamorph Merlin bringt diese dreiteilige Betrachtung nun zum Abschluss.

Ihr Thema ist Merlins Fähigkeit, unterschiedliche Gestalten anzunehmen. Roger Dubuis greift dafür das Motiv des weißen Hirsches auf, der in der Interpretation der Manufaktur für Verwandlung und den Übergang zwischen sichtbarer und unsichtbarer Welt steht. Als Schauplatz dient ein sagenhafter Wald. Auf dem Zifferblatt wird daraus eine abstrakte Architektur, während die figürlichen Darstellungen ihren Platz am Gehäuse finden. Diese Aufteilung hält die Gestaltung trotz ihrer Fülle nachvollziehbar.
Ein Wald aus Glas, Gold und Licht
Das Zifferblatt besteht aus 57 einzeln gefertigten Blöcken, die auf unterschiedlichen Höhen angeordnet sind. Ihre sechseckige Form knüpft an das erste Kapitel der Trilogie an, dessen Gestaltung von den Basaltsäulen des Giant’s Causeway inspiriert war. Für die Metamorph Merlin verändert sich vor allem die Atmosphäre: Tiefes Grün bestimmt die Szene, durchsetzt von transparenten Flächen und poliertem Roségold. Die Unterschiede liegen im Detail. Zehn Glasblöcke besitzen eine gestrahlte Oberfläche und eine grüne CVD-Beschichtung, 24 weitere sind poliert und ebenfalls grün beschichtet. Bei sechs transparenten Glasblöcken befindet sich die grüne Beschichtung auf der Oberseite. Neun weitere bestehen aus transparentem Glas. Hinzu kommen sieben polierte Roségoldblöcke sowie ein zentraler, gestrahlter und grün beschichteter Roségoldblock.

Unterhalb dieser Architektur ergänzen neun grün beschichtete Crystalium-Bodeneinlagen die Komposition. Auch die Grundplatte aus Roségold erhält eine grüne CVD-Beschichtung. Die Wirkung entsteht damit aus mehreren Ebenen und unterschiedlichen Oberflächen. Glatte Flächen setzen klare Reflexe, gestrahlte Partien bringen eine weichere Textur hinein, transparente Elemente öffnen den Blick in die Tiefe. Der Wald bleibt eine Assoziation, die durch Farbe, Verdichtung und Licht entsteht. Gerade diese Abstraktion macht das Zifferblatt interessant. Die geometrische Ordnung gibt der detailreichen Szene Struktur, während die wechselnden Höhen sie aufbrechen. Darüber bewegen sich satinierte Stunden- und Minutenzeiger aus 18-karätigem Roségold mit Super-LumiNova in ihrer Mitte. Ihre vergleichsweise klare Form gibt der Zeitanzeige einen eigenen Platz innerhalb der aufwendigen Umgebung.
Drei Tage für einen sechs Millimeter großen Ritter
Den Rahmen bilden die zwölf namensgebenden Ritter der Tafelrunde. Jede Figur besteht aus Roségold und misst ungefähr sechs Millimeter in der Höhe. Für die Handveredelung eines einzelnen Ritters veranschlagt Roger Dubuis rund drei Tage Arbeit durch einen spezialisierten Graveur.

Die Figuren unterscheiden sich in Haltung und Erscheinung. Schwerter, Rüstungen und Gewänder werden durch Gravuren präzisiert; eine schwarze Patina verstärkt Kontraste und lässt die plastischen Formen deutlicher hervortreten. Das ist bei diesem Maßstab entscheidend. Die Figuren müssen ihre Konturen innerhalb einer ohnehin komplexen Umgebung behaupten. Ihre verschiedenen Silhouetten verleihen dem Kreis zugleich eine Lebendigkeit, die mit zwölf identischen Miniaturen kaum zu erreichen wäre. Hier liegt ein wesentlicher Teil der Faszination dieser Kollektion. Die Stundenpositionen werden zu Schauplätzen handwerklicher Beobachtung. Selbst ein Detail wie eine Körperdrehung verlangt Entscheidungen darüber, welche Formen in dieser Größe lesbar bleiben und welche durch Oberflächenkontraste unterstützt werden müssen. Die geringe Größe erhöht den gestalterischen Anspruch.
Die Geschichte setzt sich am Gehäuse fort
Bei der Metamorph Merlin führt Roger Dubuis das Thema auf den Gehäuseflanken weiter. Von Hand gravierte Reliefs zeigen Merlin als menschliche Gestalt mit einem Buch und in der Gestalt des sagenhaften weißen Hirsches. Das Buch verweist auf seine Weisheit und schlägt damit einen Bogen zum Auftakt der Trilogie. Beide Motive sind in die roségoldene Gehäusemitte eingearbeitet.

Unterhalb der Lünette sitzt ein Saphirglasring, der zusätzliche Einblicke in die räumliche Zifferblattgestaltung ermöglicht. Die seitliche Ansicht erhält dadurch besonderen Wert: Oberhalb der gravierten Gehäusemitte lässt sich die Miniaturarchitektur aus einer weiteren Perspektive betrachten. Ein grüner Glasring in der Krone nimmt die Farbgebung auf, während die schwertförmig inspirierten Kronenschutzelemente auf Excalibur verweisen.

Mit 45 Millimetern Durchmesser und 16,87 Millimetern Höhe besitzt das Gehäuse aus 18-karätigem Roségold entsprechend großzügige Dimensionen. Die Wasserdichtheit beträgt 3 bar. Dazu kommt ein grünes Kalbslederband mit einer dreifachen Faltschließe aus 18-karätigem Roségold. Sowohl Band als auch Schließe verfügen über ein Schnellwechselsystem.
Genfer Uhrmacherei unter der Miniaturarchitektur
Unter dem Zifferblatt arbeitet das automatische Manufakturkaliber RD821. Es besteht aus 172 Komponenten, besitzt 33 Lagersteine und läuft mit einer Frequenz von vier Hertz, entsprechend 28.800 Halbschwingungen pro Stunde. Die Gangreserve beträgt 48 Stunden. Bemerkenswert im Verhältnis zur Gesamthöhe der Uhr ist die Bauhöhe des Werks selbst: Sie liegt bei 3,5 Millimetern. Laut Roger Dubuis wurde das RD821 gezielt darauf ausgelegt, die dreidimensionale Architektur des Zifferblatts aufzunehmen. Roger Dubuis entwickelt, fertigt und finissiert das Kaliber im eigenen Haus. Beim RD821 kommen 14 unterschiedliche Finissierungstechniken zum Einsatz, darunter jene Bearbeitungen, die den Anforderungen des Poinçon de Genève dienen. Matte und polierte Oberflächen setzen auch im Werk unterschiedliche Akzente. Die handwerkliche Sorgfalt endet damit unterhalb der aufwendigen Zifferblattszene nicht.

Durch den offenen Gehäuseboden ist die durchbrochene Schwungmasse sichtbar. Ihre Gestaltung orientiert sich an den Buntglasfenstern mittelalterlicher Burgen und führt die Themenwelt auf eine angenehm eigenständige Weise fort. Anstelle einer weiteren figürlichen Darstellung übernimmt hier ein funktionales Werkbauteil die gestalterische Verbindung. Gerade dieser Wechsel zwischen konkreten Figuren und abstrakten Formen macht die Uhr als Ganzes schlüssig.
28 Exemplare zum Abschluss der Trilogie
Die Excalibur The Metamorph Merlin trägt die Referenz RDDBEX1118 und entsteht in einer Auflage von 28 Exemplaren. Ihr besonderer Reiz liegt im Zusammenspiel der Handwerke: Die geometrische Zifferblattlandschaft gibt den Rittern eine Bühne, die Gehäusegravuren erweitern das Motiv, und die Gestaltung des Automatikwerks führt es bis auf die Rückseite.

So findet die Merlin-Trilogie einen Abschluss, der ihren Gegenstand ernst nimmt und zugleich sichtbar Freude an der Ausführung hat. Besonders gelungen erscheint die Entscheidung, den sagenhaften Wald durch Glas, Oberflächen und Licht anzudeuten. Sie lässt der Vorstellungskraft Raum und gibt den winzigen goldenen Rittern eine Umgebung, die ihrer sorgfältigen Ausarbeitung gerecht wird.
Weitere Informationen zu Roger Dubuis finden Sie auf der Seite der Marke hier.
Text ©Cedric Schneiders, Watchlounge Editor • Bilder ©Roger Dubuis









