Patek Philippe hat mit der Calatrava Pilot Travel Time die Überraschung schlechthin auf der Baselworld 2015 gelandet. Keiner hatte den etwas markenfremd wirkenden Piloten damals auf dem Radar und so entwickelte sich die Referenz 5524 schnell zum Gesprächsthema Nummer eins auf der Messe. Aber auch drei Jahre später ist die markante Pilotenuhr noch immer ein seltener Blickfang in freier Wildbahn.

Die Patek Philippe Calatrava Pilot Travel Time

Pilot auf fremdem Radar?

Warum baut Patek Philippe, die vor allem durch große Komplikationen und behutsame Modellpflege von sich reden macht, eine provokant anders aussehende Uhr und integriert diese auch noch in die klassische Calatrava-Kollektion? Ein Blick in das markeneigene Museum gibt Aufschluss. Bereits in den jungen Jahren der Fliegerei interessiert sich Patek Philippe für die Erkundung des noch fremden Luftraumes. Das Ergebnis präsentieren die Genfer in den 1930er Jahren: Zwei Armbanduhren, die Militär-Piloten zur Navigation und Standortbestimmung dienen sollen. Um genau zu sein, handelt es sich dabei um sogenannte Stundenwinkel- und Siderometer-Uhren, die mit ihren enorm großen 55,3mm Gehäusen über der Pilotenkleidung getragen wurden und heute in Genf ausgestellt sind.

Pilotenuhren von Patek Philippe

© Patek Philippe

Im aktuellen Jahrhundert angekommen, hat die GPS-Technologie solche mechanischen Instrumente in der Navigation obsolet gemacht, weshalb die 5524 mit dem bewährten Travel Time Mechanismus für die Anzeige zweier Zeitzonen auf den Markt kommt. Größere Überschneidungen mit den Vorbildern aus dem Museum hätten aus der Uhr eine Re-Edition mit antiquierter Mechanik gemacht. Stattdessen präsentiert sie sich als praktischer Edel-Begleiter für Piloten und Vielflieger.

Die Patek Philippe Calatrava Pilot Travel Time

Im Gegensatz zu vielen anderen Fliegeruhren auf dem Markt ist das Zifferblatt der 5524 nicht schwarz sondern dunkelblau. Damit passt es vor allem zu dem aktuellen Farbtrend, der bei fast allen Luxusuhrenherstellern beobachtet werden kann. Außerdem sorgt das Zusammenspiel aus matter Zifferblattoberfläche, Farbwahl und Lichteinfall für ein Spektrum verschiedenster Blautöne. Die applizierten, arabischen Ziffern helfen durch ihre Größe beim Ablesen der Stunden und wirken plastisch. Eine umlaufende, weiße Eisenbahnminuterie zeigt die Sekunden und Minuten leicht erkennbar am Zifferblattrand an. Unter schlechten Lichtverhältnissen sorgt Super-LumiNova für den nötigen Durchblick und erhebliche Leuchtkraft.

Die Patek Philippe Calatrava Pilot Travel Time

Der Heimatzeit-Stundenzeiger ist in Travel Time-Manier skelettiert und hält sich diskret im Hintergrund. Sind Orts- und Heimatzeit identisch, versteckt er sich unter dem Ortszeitzeiger. Für beide Zeitzonen gibt es je eine Tag-/Nacht-Anzeige (bei 9 Uhr für die Orts- und bei 3 Uhr für die Heimatzeit). Bei 6 Uhr präsentiert sich ein Zeigerdatum, das erstmals eine Ziffernfolge in Dreitages-Intervallen anzeigt. Zum Ändern des Datums bedarf es eines Stiftes, der den, zwischen 6 und 7 Uhr im Gehäuse eingelassenen Stelldrücker bedient.

Die Patek Philippe Calatrava Pilot Travel Time

Das so übersichtlich gestaltete Gesicht der Pilot Travel Time wird von einem 42 mm großen und 11 mm dicken Weißgoldgehäuse eingerahmt. Abgesehen von der beachtlichen Größe, fasst das Gehäuse die Formsprache der Calatrava-Kollektion auf. Beide Drücker der Zeitzonenfunktion befinden sich auf der linken Gehäuseseite bei 8 und 10 Uhr. Ihre kannelierte Materialverarbeitung sorgt für griffige Haptik und der Sicherheitsverschluss beugt versehentlicher Zeitverstellung vor. Die Betätigung der Drücker setzt eine Viertelumdrehung zum Entriegeln voraus. Die anschließende Drehung in entgegengesetzte Richtung verriegelt den Travel Time Mechanismus wieder. Ein schlaues System, das Patek Philippe zum Patent angemeldet hat.

Die Patek Philippe Calatrava Pilot Travel Time

Alle Anzeigen der Uhr werden durch das automatische Manufaktur-Kaliber 324 S C FUS angetrieben und gesteuert. Das Werk ist dank seiner Gyromax-Unruh und einer Spirale aus Silinvar (Pateks Variante von Silizium) auf den neusten Stand der Technik und Materialwissenschaft. Nach der Etablierung des hauseigenen Patek Philippe Siegels, läuft auch die 5524 innerhalb einer Toleranz von nur -3/+2 Sekunden pro Tag. Abgesehen von moderner Technik und starken Messwerten, kommen auch Ästheten durch den verglasten Gehäuseboden aus Saphir voll auf ihre Kosten. So zeigt das Werk die anglierten Brücken mit Genfer Streifen, sowie den 21 Karat Goldrotor mit Genfer Kreisschliff und dem eingelassenen Calatrava Kreuz. Insgesamt sind 294 Einzelteile in dem Werk verbaut, das eine maximale Gangautonomie von 45 Stunden vorweisen kann.

Die Patek Philippe Calatrava Pilot Travel Time

Bei dem Armband der Calatrava Pilot verabschiedet sich Patek Philippe von hochglanzpolierten Eidechsen-Häuten und liefert die Uhr an einem dunkelbraunen Kalbslederband mit hellen Kontrastnähten aus. Der Uhr kommt die Vintage-Optik des Bandes stark entgegen und dem Handgelenk die butterweiche Materialauswahl. Trotz ihrer Größe liegt die Uhr angenehm am Arm und lässt sich ausgesprochen bequem tragen. Ein sehr hübsches Detail ist die Form der weißgoldenen Dornschließe mit Doppelsteg.

Die Patek Philippe Calatrava Pilot Travel Time

Ein nobler Flugbegleiter, stets vergriffen.

Mit der Calatrava Pilot Travel Time hat Patek Philippe seinerzeit viel gewagt und einen Coup gelandet. Eine moderne Pilotenuhr, die keiner erwartete und die genau deshalb so viele überraschte. Während einige Fans noch heute einen Bruch zur Kollektion sehen, bringt die 5524 auch Leute zu Patek, die mit dem Genfer Traditionshaus zuvor wenig bis gar nichts anfangen konnten. Eine gewisse Tiefe des Portemonnaies selbstverständlich vorausgesetzt.

Der aktuelle Preis liegt auch nach drei Jahren noch immer bei 42.850 Euro. Mit Blick auf die Marktentwicklung lässt heute wie zur Zeit der Markteinführung sagen, dass die Preise infolge homöopathischer Auslieferungszahlen auf den einschlägigen Verkaufsplattformen im Netz, noch immer zwischen fünf und zehn Prozent über dem Listenpreis liegen. 

Die Patek Philippe Calatrava Pilot Travel Time

Text & Bilder: © David Schank