Piaget Polo 79 Two-Tone
Bicolor als Statement: Wenn Bracelet-Watch und Haute-Horlogerie eins werden
Piaget bringt mit der Polo 79 Two-Tone eine Variante, die die Idee der Polo nicht “neu interpretiert”, sondern sie präzisiert: Uhr und Armband als ein zusammenhängender Körper, mit Rhythmus über Oberflächen statt über Komplikationen. Das Konzept wirkt auf den ersten Blick simpel. In der Praxis lebt es von Proportion, Licht und Materialwechsel, und genau dort sitzt diese Neuigkeit.

Zifferblatt: Linien statt Indizes, Licht statt Grafik
Das Zifferblatt ist der Schlüssel zum Polo-Gedanken. Keine Ziffern, keine applizierten Indexreihen als “Dekor”. Stattdessen: horizontale Godrons, die über die gesamte Fläche laufen und so die typische Polo-Textur als visuelles Grundgerüst setzen. Zwischen den satinierten Ebenen setzen polierte Punktmarkierungen die Minuterie – ein kleines Detail, das Präzision signalisiert, ohne die Fläche zu überladen.

In Two-Tone wird diese Architektur noch klarer lesbar: Das Zusammenspiel aus kühlem Metallton und warmen Goldakzenten verschiebt die Wirkung je nach Winkel. Dazu passen die stabförmigen Zeiger in Gelbgold, die das Zifferblatt nicht dominieren, sondern wie ein sauberer Schnitt darüber liegen.
Gehäuse & Proportionen: 38 mm als bewusstes Maß
Piaget bleibt beim Format der Polo 79-Linie: 38 mm Gehäusedurchmesser. Das ist im aktuellen Markt eine auffällig kontrollierte Entscheidung, weil die Uhr nicht über Größe wirken muss. Sie wirkt über Fläche und Kanten. Die Form spielt mit dem klassischen Polo-Motiv: außen eine eher kissenartige Kontur, innen eine runde Öffnung.

Materialseitig ist die Uhr als Mischung aus gebürstetem Weißgold und Gelbgold-Elementen aufgebaut. Das Two-Tone ist hier kein nachträglicher Farbakzent, sondern Teil des Designs: Die goldenen Godrons und Kanten setzen die horizontale Gliederung fort, vom Zifferblatt direkt ins integrierte Band. Genau dadurch entsteht dieser “aus einem Stück”-Eindruck, für den die Polo seit jeher steht.

Band & Haptik: Die eigentliche Komplikation
Bei der Polo ist das Band nicht Zubehör, sondern Kern der Uhr. Die Konstruktion läuft über die gesamte Länge in der gleichen Logik weiter: breite, flache Glieder, dazwischen die goldenen Linien, alles stark über Bürstung und Lichtkanten definiert. Two-Tone macht diese Architektur noch deutlicher, weil die goldenen Elemente wie feine Stege wirken, die den Rhythmus stabilisieren.

Das Ergebnis ist weniger “sportlich” als viele integrierte Bracelet-Watches der letzten Jahre. Eher: Wrist couture. Eine Uhr, die sich wie Schmuck anfühlt, aber nicht in Schmuckoptik flüchtet.
Werk & Substanz: Ultrflach als Piaget-DNA
Die technische Begründung liefert Piaget über das Manufakturkaliber 1200P1. Entscheidend ist hier nicht eine spektakuläre Zusatzfunktion, sondern die Bauhöhe: Das Werk ist 2,35 mm flach. Dadurch bleibt die Uhr insgesamt schlank genug, um trotz massiver Edelmetall-Ausführung nicht klobig zu wirken.

Typisch Piaget ist auch die Architektur: Mikrorotor, damit die Automatikkonstruktion flach bleibt, und eine Finissierung, die nicht laut sein muss, um seriös zu wirken – kreisförmige Genfer Streifen auf Brücken und Rotor, saubere Kanten, klare Flächen. Der Saphirglasboden passt dabei zum Konzept: Wenn eine Uhr schon über Material und Fläche funktioniert, darf die Mechanik als zweite Ebene sichtbar bleiben.

Polo-Historie: Wo die Uhr herkommt – und warum “79” kein Retro ist
Die Piaget Polo wurde 1979 als bewusst luxuriöse Sports-Eleganz gedacht: eine Uhr, bei der Gehäuse und Band optisch verschmelzen, geprägt durch die horizontalen Godrons. In der Erzählung ist sie Piagets “erste Uhr mit eigenem Namen” und steht für diese Idee, Uhrmacherei und Schmuckdenken konsequent zusammenzubringen.

Mit der Polo 79 hat Piaget diese Ursprungsform im Jubiläumskontext wieder nach vorn geholt, nicht als historisches Zitat, sondern als Gegenposition zur ewigen Stahl-Tool-Logik. Die Uhr ist im Kern eine Bracelet-Watch, bei der Design, Oberfläche und Tragelogik die Hauptrolle spielen. Genau deshalb funktioniert auch die Two-Tone-Variante so gut: Sie knüpft an eine historische Bicolor-Lesart an, ohne die Uhr in “Modefarbe” zu drücken.
Für wen ist die Polo 79 Two-Tone gemacht?
Diese Neuheit richtet sich nicht an Käufer, die bei Piaget zuerst nach Komplikationen suchen. Sondern an Sammler, die Design als Substanz begreifen: Proportionen, Metallarbeit, Lichtkanten, Tragegefühl. Two-Tone ist dabei nicht “mehr”, sondern präziser: Es verstärkt die horizontale Architektur, macht die Godrons lesbarer und gibt der Uhr eine wärmere Präsenz, ohne den Polo-Charakter zu verfälschen.
Kurz: eine Uhr, die nicht über Lautstärke gewinnt, sondern über Konsequenz. Und eine, die zeigt, warum Piaget die Polo nicht immer wieder “neu erfinden” muss – solange die Grundidee stimmt. Der offizielle Verkaufspreis liegt in Deutschland bei 94.500 Euro.
Weitere Informationen zu Piaget finden Sie auf der Seite der Marke hier.
Text ©Cedric Schneiders, Watchlounge Editor • Bilder ©Piaget









