IWC Ingenieur 50th Anniversary
Die stille Seite von Gérald Gentas Entwurf
Zum 50. Geburtstag der Ingenieur SL greift IWC eine seltene Zifferblattvariante des historischen Modells auf. Die Ingenieur Automatic 40 und Automatic 35 50th Anniversary verbinden gebürstete, argentéfarbene Zifferblätter mit der heutigen Gehäusearchitektur. Beide Edelstahlmodelle sind auf jeweils 1.150 Exemplare limitiert, unterscheiden sich unter ihrer ähnlichen Oberfläche jedoch deutlich.

Wer die aktuelle Ingenieur kennt, verbindet sie fast zwangsläufig mit ihrem strukturierten Zifferblatt. Das feine „Grid“ gehört seit der Vorstellung der modernen Generation 2023 zu ihren auffälligsten Merkmalen. Ausgerechnet zum Jubiläum von Gérald Gentas Ingenieur SL lässt IWC dieses Muster nun weg. An seine Stelle tritt eine gebürstete, silberfarbene Fläche, deren Vorbild ebenfalls in den 1970er-Jahren liegt.

Darin steckt der Reiz der beiden neuen Editionen. Sie lenken den Blick auf eine weniger bekannte Ausführung jener Uhr, die das Erscheinungsbild der Ingenieur bis heute prägt. Die vertraute Lünette und das integrierte Armband bleiben erhalten. Das Zifferblatt verändert die Gewichtung des Entwurfs.
Ein Jubiläum für die Ingenieur SL
1976 stellte IWC die von Gérald Genta gestaltete Ingenieur SL mit der Referenz 1832 vor. In einer Zeit, in der sich die luxuriöse Edelstahlsportuhr mit integriertem Armband als eigene Kategorie etablierte, erhielt auch die Ingenieur eine entsprechend markante Form.

Der heutige Sammlerstatus lässt leicht vergessen, dass die Uhr zunächst wenig Erfolg hatte. Nach Angaben von IWC entstanden zwischen 1976 und 1983 lediglich 598 Exemplare der Referenz 1832. Ihre Anerkennung entwickelte sich erst über Jahrzehnte.

Die 2023 eingeführte Ingenieur nahm Gentas Gestaltung wieder auf und überführte sie in eine moderne Konstruktion. Zum 50. Jubiläum der SL baut IWC auf dieser Generation auf. Die Ingenieur Automatic 40 50th Anniversary trägt die Referenz IW328910, die Ingenieur Automatic 35 50th Anniversary die Referenz IW324909.
Gebürstete Fläche statt Grid
Die Referenz 1832 ist vor allem mit strukturiertem Zifferblatt bekannt. IWC fertigte sie jedoch auch mit einer gebürsteten, argentéfarbenen Oberfläche. Diese seltenere Variante liefert den Ausgangspunkt für die Jubiläumsmodelle.

„Argenté“ bezeichnet hier den silbernen Farbton des Zifferblatts. Zusammen mit der gebürsteten Oberfläche führt er die metallische Gestaltung von Gehäuse und Armband auf der Vorderseite fort. Das kleinteilige Raster weicht einer ruhigeren Fläche. Dadurch bekommen die applizierten Stundenindizes und die Konturen der Zeiger mehr Raum.

Bei beiden Größen sind Zeiger und Metallindizes rhodiniert und mit Super-LumiNova ausgefüllt. IWC hält die Farbgebung damit eng zusammen. Die Eigenständigkeit der Editionen entsteht aus der Oberflächenbearbeitung, ohne dass eine zusätzliche Akzentfarbe nötig wäre.

Den ausdrücklichen Hinweis auf das Jubiläum integriert IWC in den Ingenieur-Schriftzug. An die Stelle des charakteristischen Blitzes unter dem Namen tritt die Zahl „50“. Das ist eine kleine, für Kenner aber unmittelbar verständliche Veränderung. Ein eigenes Jubiläumsemblem hätte die neu gewonnene Ruhe des Zifferblatts stärker beansprucht.
Zwei Größen mit unterschiedlicher Oberfläche
Beide Editionen besitzen ein Edelstahlgehäuse und ein integriertes Edelstahlarmband. Die satinierte Lünette mit polierten Kanten wird durch fünf Schrauben am Gehäuse befestigt. Diese sichtbaren Befestigungspunkte geben der Ingenieur ihre unverwechselbare Front und erfüllen zugleich eine konstruktive Aufgabe.

Das Armband schließt über seine Mittelglieder an das Gehäuse an. Gerade bei einer solchen Gestaltung lohnt sich der Blick über den Durchmesser hinaus: Gehäuse und Band bilden gemeinsam die Form, die später am Handgelenk wahrgenommen wird.

Die Automatic 40 misst 40 Millimeter im Durchmesser und 10,8 Millimeter in der Höhe. Ihr Armband ist vollständig satiniert. Bei der 35 Millimeter großen und 9,4 Millimeter hohen Automatic 35 sind dagegen die Mittelglieder poliert. Die kleinere Ausführung erhält dadurch eine zusätzliche glänzende Fläche, während die größere die gebürstete Anmutung konsequenter durchzieht.

Beide Uhren schließen mit einer Butterfly-Faltschließe. Gewölbtes, beidseitig entspiegeltes Saphirglas und eine Wasserdichtheit von 10 bar gehören ebenfalls zur gemeinsamen Ausstattung. Die Entscheidung zwischen den Größen betrifft damit auch Oberflächenwirkung und Gehäusehöhe. Technisch gehen die Unterschiede noch weiter.
Automatic 40: Fünf Tage Gangreserve und Magnetfeldschutz
In der Ingenieur Automatic 40 arbeitet das IWC-Manufakturkaliber 32111. Das Automatikwerk besitzt 21 Steine, läuft mit 28.800 Halbschwingungen pro Stunde und bietet 120 Stunden Gangreserve. Sein beidseitig aufziehender Klinkenaufzug spannt die Zugfeder durch die Bewegung der Schwungmasse.

Die fünf Tage Gangreserve sind besonders dann praktisch, wenn mehrere Uhren im Wechsel getragen werden. Voll aufgezogen kann die Ingenieur einige Tage abgelegt werden, ohne dass Uhrzeit und Datum anschließend neu eingestellt werden müssen.

Hinzu kommt ein Weicheisen-Innengehäuse zur Abschirmung des Werks gegen Magnetfelder. Damit bewahrt die 40er eine funktionale Verbindung zur historischen Ingenieur SL. Eine verschraubte Krone gehört ebenfalls zu ihrer Ausstattung.
Automatic 35: Ein sichtbares Werk im flacheren Gehäuse
Die Ingenieur Automatic 35 setzt mit dem IWC-Kaliber 47110 auf eine andere technische Basis. Das Automatikwerk besitzt 23 Steine und arbeitet ebenfalls mit 28.800 Halbschwingungen pro Stunde. Seine Gangreserve beträgt 42 Stunden.

Durch den Saphirglasboden lässt sich die mit Perlage und Genfer Streifen dekorierte Mechanik betrachten. Eine vergoldete Schwungmasse ergänzt die Finissierung. Für die kleinere Edition rückt damit ein Teil der Uhr in den Vordergrund, der bei der Entscheidung anhand von Zifferblatt und Durchmesser leicht übersehen wird.

Beide Modelle zeigen Stunden, Minuten, zentrale Sekunde und Datum. Eine Stoppvorrichtung für die Sekunde ermöglicht das genaue Einstellen der Uhrzeit. Die unterschiedlichen Werke bringen jedoch deutlich verschiedene Laufreserven mit. Wer regelmäßig zwischen mehreren Uhren wechselt, dürfte diesen Unterschied im Alltag stärker bemerken als die identische Frequenz.
Eine weniger bekannte Ingenieur als Vorbild
Von jeder Größe entstehen 1.150 Exemplare. Die Wahl fällt zwischen der größeren Ausführung mit vollständig satiniertem Band, Magnetfeldabschirmung und langer Gangreserve sowie der flacheren 35er mit polierten Mittelgliedern und sichtbarem Werk.

Gestalterisch überzeugt vor allem die Auswahl des historischen Vorbilds. IWC nutzt das Jubiläum, um eine Facette der Ingenieur SL wieder aufzugreifen, die neben dem bekannten strukturierten Zifferblatt leicht in Vergessenheit gerät. Die gebürstete Fläche passt schlüssig zur heutigen Ingenieur und eröffnet zugleich einen anderen Blick auf Gentas Entwurf. Die interessanteste Entdeckung dieser Jubiläumsmodelle ist deshalb ihr Zifferblatt, lange bevor man die kleine „50“ bemerkt.
Weitere Informationen zu IWC finden Sie auf der Seite der Marke hier.
Text ©Cedric Schneiders, Watchlounge Editor • Bilder ©Cedric Schneiders









