Glashütte Original Sixties Chronograph Jahresedition 2026

Purple, Vinyl-Struktur und Kaliber 39-34: Glashütte Original übersetzt den Beat der Sechziger in einen Chronographen

Die Sixties-Kollektion von Glashütte Original lebt seit jeher von einem besonderen Spannungsverhältnis. Sie ist historisch verwurzelt, aber nicht historisierend. Sie zitiert die Formen und Farben einer Epoche, in der Uhrendesign mutiger, grafischer und offener wurde, trägt diese Energie aber in eine sauber ausgearbeitete Manufakturuhr der Gegenwart. Die neue Sixties Chronograph Jahresedition 2026 folgt genau diesem Prinzip. Ihr Zifferblatt erscheint in einem satten Violett, das Glashütte Original bewusst mit Musikgeschichte, Albumcovern und dem Rhythmus der Sechziger verbindet. Der Name „Purple“ ist hier deshalb mehr als eine Farbangabe. Er ist der emotionale Einstieg in eine Uhr, deren eigentliche Stärke in der Tiefe des Zifferblatts liegt.

Gehäuse & Proportionen

Das Gehäuse bleibt klassisch Sixties Chronograph: Edelstahl, poliert, 42 mm im Durchmesser und 12,4 mm in der Höhe. Von Anstoß zu Anstoß misst die Uhr 48,5 mm. Damit ist sie kein kleiner Chronograph, wirkt aber durch die weichen Linien, das gewölbte Glas und die reduzierte Lünette weniger kantig als viele moderne Sportchronographen. Der Rahmen hält sich zurück und lässt dem Blatt die Bühne. Genau das passt zur Idee der Jahresedition: Die Uhr soll nicht über Masse oder technische Härte wirken, sondern über Farbe, Oberfläche und Licht.

Vorne sitzt ein leicht gewölbtes Saphirglas, das beidseitig entspiegelt ist. Die langen vergoldeten Zeiger folgen der Wölbung des Glases, damit die Ablesbarkeit aus der Draufsicht nicht durch optische Verzerrungen leidet. Das ist ein kleines, aber wichtiges Detail. Gerade bei einer Uhr, die so stark über Wölbung und Tiefe arbeitet, müssen Glas, Zeiger und Zifferblatt zusammen gedacht werden. Die Krone trägt das Doppel-G von Glashütte Original, der transparente Gehäuseboden öffnet den Blick auf das Kaliber. Die Wasserdichtigkeit liegt bei 3 bar, getragen wird die Uhr an einem schwarzen Synthetikband mit Dornschließe.

Zifferblatt & Farbe

Das Zifferblatt ist der Mittelpunkt dieser Uhr. Glashütte Original fertigt seine Zifferblätter in der eigenen Manufaktur, und gerade die Sixties-Jahreseditionen zeigen immer wieder, wie stark diese Kompetenz den Charakter einer Uhr prägen kann. Historisch passt das gut zur Linie: Die Sixties-Kollektion greift die gestalterische Welt der 1960er auf, eine Epoche, in der auch die Glashütter Spezimatic-Modelle mit markanteren Formen, gewölbten Blättern und kräftigeren Designs spielten.

Die Basis des Purple-Zifferblatts bilden dünne Bronzestreifen. Sie werden zunächst mit einem Prägestempel strukturiert, anschließend ausgestanzt und mit feinen Bohrungen versehen. Danach werden die Hilfszifferblätter ausgedreht. Dabei entsteht ein Muster aus feinen parallelen Rillen, das bewusst an Vinyl erinnert. Anschließend wird das Blatt gewölbt, galvanisch mit Gelbgold beschichtet und von Hand mit transluzentem violettem Lack versehen, der im Ofen eingebrannt wird. Das Ergebnis ist kein flacher Farbauftrag, sondern eine Oberfläche, bei der Prägung, Metallgrund und Lack miteinander arbeiten.

Besonders charakteristisch sind die Indexe. Sie werden nicht appliziert und auch nicht einfach gedruckt, sondern manuell in die gewölbte, lackierte Oberfläche eingeschnitten. Dadurch kommt die darunterliegende Bronze wieder zum Vorschein und setzt warme Akzente im violetten Feld. Danach wird die Oberfläche mit Klarlack geschützt, Ziffern und Logo werden in mehreren Durchgängen aufgedruckt und eingebrannt. Zum Schluss werden die Leuchtpunkte der Indexe gesetzt. So entsteht ein Blatt, das zwischen Pop-Geste und Handwerk vermittelt: kräftig in der Farbe, aber sehr fein in der Ausführung.

Werk & Chronograph

Im Inneren arbeitet das automatische Manufakturkaliber 39-34. Es zeigt Stunden und Minuten zentral, die kleine Sekunde dezentral sowie die zentrale Stoppsekunde und einen 30-Minuten-Zähler bei 9 Uhr. Das Werk läuft mit 28.800 Halbschwingungen pro Stunde, also 4 Hz, besitzt 51 Steine und bietet eine Gangdauer von 40 Stunden. Es ist kein neues Kaliber, aber eines, das sehr gut zum Charakter der Uhr passt: klassischer Automatikchronograph, fein dekoriert, sichtbar durch den Saphirglasboden.

Auch die Verarbeitung bleibt klar Glashütte Original. Zu sehen sind unter anderem die Dreiviertelplatine mit Glashütter Streifenschliff, anglierten Kanten, polierten Schrauben und die Schwanenhals-Feinregulierung. Der skelettierte Rotor trägt das Doppel-G-Symbol und eine 21-karätige Goldschwungmasse. Damit bietet die Rückseite einen deutlich traditionelleren Eindruck als die Vorderseite. Vorne Pop, Farbe und Vinyl-Anmutung. Hinten Glashütter Uhrmacherei, Finissage und konstruktive Herkunft. Genau dieser Kontrast macht die Uhr spannender als eine reine Vintage-Referenz.

Fazit

Die Sixties Chronograph Jahresedition 2026 ist keine leise Uhr. Das violette Blatt, die Goldtöne und das schwarze Synthetikband ergeben eine Kombination, die bewusst stärker über Stimmung als über Zurückhaltung funktioniert. Trotzdem bleibt sie kontrolliert. Das liegt am Edelstahlgehäuse, an der klaren Bicompax-Anordnung und an der Tatsache, dass Glashütte Original Farbe nicht einfach als Effekt einsetzt. Purple entsteht hier aus Material, Prägung, Galvanik, Lack und Handarbeit.

Gerade deshalb funktioniert die Uhr als Jahresedition. Sie ist nicht nur eine neue Zifferblattfarbe, sondern eine kleine Bühne für das, was Glashütte Original in dieser Linie besonders gut kann: historisch inspirierte Formen, aufwendig gefertigte Zifferblätter und klassische Manufakturuhrmacherei miteinander verbinden. Erhältlich ist die Sixties Chronograph Jahresedition ab Mai 2026 in den Glashütte Original Boutiquen weltweit sowie bei ausgewählten Händlern. Für alle, die an der Sixties-Kollektion vor allem die farbige, fast kulturelle Seite schätzen, dürfte „Purple“ eine der prägnantesten Varianten der vergangenen Jahre sein.

Weitere Informationen zu Glashütte Original finden Sie auf der Seite der Marke hier.


Text ©Cedric Schneiders, Watchlounge Editor • Bilder ©Glashütte Original