Glashütte Original verrät den Standort der eigenen Uhrenmanufaktur bereits durch seinen Markennamen. Doch die Zifferblätter der tickenden Kunstwerke werden nicht in Glashütte gefertigt, sondern in Pforzheim. Dort haben wir einen exklusiven Blick hinter die Kulissen der Zifferblattmanufaktur geworfen und entdeckt, wo die Zeit ihr Gesicht bekommt. 

zifferblattmanufaktur

Tradition & Innovation der Zifferblattmanufaktur

Die Produktion hochwertiger Zifferblätter für den Glashütter Uhrenbetrieb hat in Pforzheim eine lange Tradition. Die Firma TH Müller, bereits 1922 gegründet, übernimmt diese Aufgabe seit den 1950er Jahren bis zur Übernahme durch die Swatch Group im Jahr 2006. Dieser Übergang in den Besitz des Schweizer Luxusuhrenkonzerns geht mit neuen Maschinen, verschärften Standards und höherer Qualität einher. Anfangs werden zudem auch Zifferblätter für Konzernmarken wie Omega, Rado und Blancpain produziert. Seit dem Abschluss der letzten Modernisierung im Jahr 2013 produziert die Zifferblattmanufaktur in Pforzheim exklusiv für Glashütte Original. Wir durften ihnen einen Tag lang über die Schulter schauen und die Entstehung der Zifferblätter live mitverfolgen und dokumentieren. 

Zifferblattmanufaktur von Glashütte Original in Pforzheim

Der Beginn: Entwicklung & Materialauswahl 

Der Entstehungsprozess eines neuen Zifferblattes beginnt heute mit der Entwicklung von Entwürfen und deren Prüfung auf Realisierbarkeit. Meist geht es dabei um Kombinationen von Materialien, Oberflächenveredelungen und Farben.

Die mechanische Produktion eines Zifferblattes beginnt dagegen mit dem Ausstanzen der Rohlinge, wofür hauchdünne Blechstreifen aus Messing, Neusilber, Gold und Bronze als Grundmaterialien dienen.

Zifferblattmanufaktur von Glashütte Original in Pforzheim

Bereits in dieser Phase werden Fenster für Mondphasen oder das Datum – wie hier am Beispiel eines Stanz-Negativs der Sixties Panoramadatum – ausgeschnitten in einem weiteren Schritt mit den formschönen, abgeschrägten Ecken versehen. 

Zifferblattmanufaktur von Glashütte Original in Pforzheim
Sortiert und bereit zur Weiterverarbeitung

Das Prägen der Zifferblattstrukturen (wie z.B. bei der Sixties Jahresedition) bedarf einer Presse, die mit einem massiven Druck von circa 60 Tonnen auf das Material des Zifferblatt-Rohlings einwirkt. 

Zifferblattmanufaktur von Glashütte Original in Pforzheim
Stanznegativ einer Sixties Panoramadatum

Veredlungen der Zifferblattmanufaktur: Drehen, Schleifen & Polieren 

Um Informationen später auf Hilfszifferblättern darstellen zu können, werden diese per CNC-Maschine ausgedreht, wie beispielsweise bei der PanoMaticLunar. Auch die beiden Füße des Zifferblatts werden nun angeschweißt, damit beim späteren Zusammenbauen der Uhr in Glashütte der perfekte Sitz auf der Vorderseite des Werkes garantiert wird. 

Zifferblattmanufaktur von Glashütte Original in Pforzheim 

Um spätere Beschichtungen wie das Lackieren oder Galvanisieren vorzubereiten, ist es unerlässlich, dass die Zifferblätter eine absolut glatte Oberfläche aufweisen. Aus diese Grund werden mehrere Schleif- und Poliervorgänge durchgeführt.

Auch bei den Arbeitsschritten des Schleifen und Polierens ist das Gefühl in den Händen der Mitarbeiter für ein makelloses Ergebnis entscheidend. Verschiedene Reinigungsbäder sorgen anschließend für das rückstandslose Entfernen der Schleif- und Politur-Reste. 

Die Farben der Zifferblattmanufaktur

Um dem Zifferblatt seine Grundfarbe zu verleihen, wird es entweder lackiert oder in ein galvanisches Bad getaucht, das beispielsweise Vergoldungen ermöglicht. 

Zifferblattmanufaktur von Glashütte Original in Pforzheim

Bei den Modellen der Sixties Jahresedition wird jedes Jahr eine neue Farbe bestimmt. In 2018 und 2019 wurden diese durch DégradéFarbverläufe zum Rand hin Schwarz. Dieses Verfahren wurde bereits in den 1960er Jahren durch die eingangs vorgestellte Firma TH Müller durchgeführt, die die GUB – als Vorgänger von Glashütte Original – mit Zifferblättern aus Pforzheim belieferte. 

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Um das DégradéFinish zu erreichen, wird auf eine vergoldete Oberfläche zuerst Rot und dann Schwarz aufgetragen. Um den schwarzen Farbkontrast erzeugen zu können, wird das Zifferblatt auf einer Vorrichtung montiert, die sich schnell im Kreis drehen kann.

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Während des Drehvorgangs sprüht eine fest montierte Lackierpistole aus einem bestimmten Winkel schwarze Farbe auf die Oberfläche des Zifferblattes. Diese Lackierung wird zum Rand hin intensiver und erzeugt das gewünschte Dégradé-Finish. 

Anschließend wird das fertig lackierte aber noch unbedruckte Zifferblatt der Sixties Panoramadatum mit den modelltypischen Indices versehen. Durch das sogenannte Facettieren werden die Stundenmarkierungen in das Zifferblatt geschnitten.

Zifferblattmanufaktur von Glashütte Original in Pforzheim 

Für diesen Arbeitsschritt bedarf es besonders viel Fingerspitzengefühl, da die Maschine von Hand geführt wird und die Tiefe der Indices stets gleich sein muss. Dieser Film des Herstellers verdeutlicht den Aufwand in der Herstellung. 

Im direkten Vergleich wird der Unterschied nach dem Facettieren besonders deutlich.

zifferblattmanufaktur

Anschließend folgt wie nach jedem Arbeitsschritt eine strenge Qualitätskontrolle, die das Zifferblatt entweder zur nächsten Station weiterleitet oder es aus dem Fertigungsprozess entfernt. 

Der Druck des Gesichtes 

Nachdem die Oberfläche des Zifferblattes mit Farbe veredelt wurde, folgt das Auftragen der Schriftzüge, Ziffern und wichtigen Details, wie beispielsweise der umlaufenden Minuterie. Als Mittel der Wahl hat sich hierfür der sogenannte Tampondruck bewährt. 

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Durch einen elastischen Gummiballon wird Farbe von einer Druckplatte aufgenommen und anschließend mit einer gekonnten Handbewegung auf das Zifferblatt gedruckt. Meist werden verschiedene Bereiche des Zifferblattes nacheinander gedruckt, was durch das stets neue Ausrichten des Zifferblattes ein zeitaufwendiges und konzentrationsintensives Unterfangen darstellt. Zudem muss das Zifferblatt nach jedem Druck bei circa 80 Grad für 30 bis 60 Minuten in einen Ofen, damit sich die aufgetragene Farbe verfestigt und weitergearbeitet werden kann. Bei dem abgebildeten Zifferblatt einer Senator Cosmopolite sind es insgesamt 5 Drucke, die problemlos einen halben Arbeitstag in Anspruch nehmen. 

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Nicht nur Zifferblätter sondern auch Städteringe und Datumsscheiben werden hier per Tampondruck mit Schriftzügen versehen. Das obere Bild verdeutlicht zudem: Erst nach bestandener Qualitätskontrolle kehrt das Zifferblatt zurück in den Fertigungsprozess, der sich nun auf der Zielgeraden befindet. 

Zifferblattmanufaktur von Glashütte Original in Pforzheim

Letzte Schritte: Appliken & Leuchtmasse 

In der Zifferblattmanufaktur von Glashütte Original fehlen zum fertigen Endprodukt nun nicht mehr viele Arbeitsschritte. Die bedruckten Zifferblätter werden abschließend mit wichtigen Appliken wie den Stundenmarkierungen versehen. 

Zifferblattmanufaktur von Glashütte Original in Pforzheim

Sie werden vorsichtig von Hand aufgesetzt, angelasert und rückseitig verschliffen. Jeder noch so kleine, sichtbare Fehler führt zum Aussortieren des Zifferblattes und macht die stundenlange Vorarbeit seit dem Stanzen der Rohlinge zunichte. 

Zifferblattmanufaktur von Glashütte Original in Pforzheim
Mikroskop und Dosiersystem zum Auftragen der Leuchtmasse 

Zifferblattmanufaktur von Glashütte Original in Pforzheim

Ein spezielles Dosiersystem ermöglicht das Auftragen der Leuchtmasse von Hand. Zur Erzielung eines gleichmäßigen Ergebnisses wird ausgesprochen viel Fingerspitzengefühl benötigt, was uns während der Besichtigung dieses Arbeitsplatzes eindrucksvoll am Beispiel der SeaQ demonstriert wurde. 

Zifferblattmanufaktur von Glashütte Original in Pforzheim

Abschließend wird das Zifferblatt ein weiteres Mal in den Ofen geschoben, um auch die applizierte Leuchtmasse aus SuperLumiNova zu festigen. 

Endkontrolle und Versand 

Zum Abschluss erreichen die Zifferblätter die Endkontrolle. Wer hier unter den Mikroskopen ohne Fehler glänzt, wird verpackt und nach Glashütte geschickt. Dort werden die Zifferblätter in den Herstellungsprozess der Uhren integriert und schließlich verbaut.

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Fazit: Wo Perfektionismus der Zeit ein Gesicht gibt

Einen Tag lang haben wir den Damen und Herren in der Pforzheimer Zifferblattmanufaktur von Glashütte Original über die Schulter geschaut. Wir haben den Entstehungsprozess der Zifferblätter live beobachtet, fotografiert und nachverfolgt. Je nach Modell sind bis zu 80 Arbeitsschritte erforderlich, um den Zeitmessern ihr charakteristisches Gesicht zu verleihen. Im Vergleich zur Fertigung der Manufakturwerke bei Glashütte Original, wirkt die Herstellung der Zifferblätter ebenbürtig und sorgt für ein harmonisches Produkt, dessen Ursprünge gleich zwei traditionelle Orte deutscher Uhrmacherei sind: Glashütte und Pforzheim. 

Bilder © Glashütter Uhrenbetrieb GmbH (1,3,11,15,16)  • Bilder © David Schank (Restliche)  

Text © David Schank 


Hinweise zur Transparenz

Die Einladung in die Zifferblattmanufaktur erfolgte auf Kosten des Herstellers. Eine Beeinflussung der redaktionellen Unabhängigkeit dieses Artikels fand zu keiner Zeit statt.