Girard-Perregaux Laureato Chronograph 42 mm
Bicolor, Clous de Paris und ein brauner Ton zwischen Sportlichkeit und Wärme
Achteckige Lünette, integrierte Gehäusearchitektur, klare Flächen, weiche Übergänge: Seit ihrer Einführung 1975 gehört sie zu den eigenständigeren Entwürfen der sportlich-eleganten Uhrmacherei. Der ursprüngliche Entwurf war eng mit Girard-Perregaux’ damaliger Quarzkompetenz verbunden, entwickelte sich aber über die Jahrzehnte zu einer mechanischen Plattform, in der Design, Alltagstauglichkeit und Manufakturanspruch zusammenlaufen. Die neue Laureato Chronograph 42 mm greift genau diese Spannung auf. Sie schaut sichtbar auf die 1970er-Jahre, ohne sich als Retro-Uhr zu verkleiden.

Gehäuse & Proportionen
Der erste Eindruck entsteht über den Materialkontrast. Das 42 mm große und 12,16 mm hohe Gehäuse besteht aus 904L-Edelstahl, während Lünette, Krone und Drücker in Roségold ausgeführt sind. Das ist Bicolor, aber nicht im klassischen Sinn eines zweifarbigen Metallbands. Girard-Perregaux setzt das Roségold gezielt auf die Elemente, die Form und Bedienung definieren: die achteckige Lünette als Gesicht der Laureato, die Krone als funktionales Zentrum, die Drücker als Zeichen des Chronographen. Dadurch wirkt die Uhr wärmer, aber nicht schwerer. Stahl bleibt die Basis, Gold der Akzent.

Diese Dosierung ist wichtig, weil die Laureato immer von Proportionen lebt. Die Lünette liegt nicht isoliert auf dem Gehäuse, sondern sitzt auf einem polierten Ring und greift in die Geometrie des tonneauförmigen Mittelteils. Satinierte Flächen, polierte Kanten und die weiche Rundung der Form halten den Entwurf zusammen. Gerade im Chronographenformat kann die Laureato schnell präsenter wirken als die Dreizeiger-Modelle. Hier hilft die Höhe von 12,16 mm. Die Uhr bleibt sportlich, aber nicht überbaut. Die Wasserdichtigkeit von 100 Metern passt zu diesem Anspruch: keine reine Dresswatch, sondern eine Uhr, die ihren sportlichen Charakter nicht nur behauptet.
Zifferblatt & Chronographenarchitektur
Das braune Zifferblatt ist der eigentliche Ruhepol der Uhr. Es trägt ein Clous-de-Paris-Dekor, also jene pyramidenartige Struktur, die Licht nicht einfach spiegelt, sondern bricht. Dadurch bekommt das Braun Tiefe und wirkt je nach Umgebung etwas wärmer, dichter oder matter. In Verbindung mit Roségold entsteht ein Ton-in-Ton-Eindruck, der weniger auf Kontrast setzt als auf Schichtung. Das rosévergoldete GP-Logo, die rosévergoldeten Indizes und Zeiger sowie die Zeiger der Totalisatoren greifen diese Wärme auf, ohne das Blatt zu überladen.

Die Chronographenarchitektur bleibt klassisch und gut lesbar. Bei 3 Uhr sitzt der 30-Minuten-Zähler, bei 9 Uhr die kleine Sekunde, bei 6 Uhr der 12-Stunden-Zähler. Das Datum liegt schräg zwischen 4 und 5 Uhr und nimmt sich bewusst zurück. Interessant ist vor allem, dass Girard-Perregaux die Nebenzifferblätter nicht einfach flach in das Muster setzt. Sie sind durch kreisförmige Linien abgesetzt, wodurch das Blatt mehr Tiefe bekommt und die Chronographenanzeigen klarer vom Clous-de-Paris-Grund getrennt werden. So bleibt die Uhr dekorativ, aber nicht verspielt.
Werk & Veredelung
Im Inneren arbeitet das automatische Manufaktur-Chronographenwerk GP03300-2761. Es misst 25,60 mm im Durchmesser und 6,50 mm in der Höhe, arbeitet mit 28.800 Halbschwingungen pro Stunde, also 4 Hz, und bietet mindestens 46 Stunden Gangreserve. 419 Einzelteile und 63 Lagersteine zeigen, dass Girard-Perregaux hier keinen einfachen Chronographenbaustein versteckt, sondern ein aufwendiges Werk einsetzt. Die Funktionen bleiben klassisch: Stunden, Minuten, kleine Sekunde, Datum und Chronograph.

Entscheidend ist aber nicht nur die technische Architektur, sondern die Ausarbeitung. Durch den Saphirglasboden sichtbar, zeigt das Werk eine breite Palette klassischer Veredelungen: Perlierung, Côtes de Genève, anglierte Kanten, Hochglanzpolitur, Satinierung, Gravuren, Sonnenschliff und gewendelte Oberflächen. Das passt zur Laureato, weil diese Uhr nie nur über Sportlichkeit funktioniert hat. Sie ist eine Sportuhr mit Manufakturanspruch. Die sichtbare Finissierung sorgt dafür, dass der Chronograph nicht bei der äußeren Bicolor-Wirkung stehen bleibt.
Band & Tragegefühl
Statt eines integrierten Metallbands trägt diese Laureato ein braunes Kautschukarmband mit Clous-de-Paris-Muster. Das ist eine gute Entscheidung, weil es den Charakter der Uhr verschiebt. Mit Stahl-Gold-Band wäre die Bicolor-Logik deutlich klassischer und schwerer ausgefallen. Am Kautschukband wirkt sie moderner, etwas entspannter und näher am Alltag. Gleichzeitig bleibt die Laureato-Identität erhalten, weil das Band ergonomisch in die Gehäuseform integriert ist und das Muster des Zifferblatts aufgreift. Geschlossen wird es über eine Dreifach-Faltschließe aus Edelstahl.

Fazit
Die neue Girard-Perregaux Laureato Chronograph 42 mm ist keine laute Neuinterpretation, sondern eine präzise gesetzte Variation. Bicolor wird hier nicht als nostalgische Geste verstanden, sondern als Mittel zur Akzentuierung. Stahl gibt Struktur, Roségold bringt Wärme, Braun verbindet beides. Dazu kommt ein Manufaktur-Chronographenwerk, das der Uhr die technische Tiefe gibt, die man von Girard-Perregaux erwarten darf. Die erste Auflage ist auf 50 Exemplare begrenzt. Wer die Laureato als integrierte Sportuhr mit Designgeschichte versteht, findet hier eine ungewöhnlich warme, aber weiterhin klar konturierte Interpretation.
Weitere Informationen zu Girard-Perregaux finden Sie auf der Seite der Marke hier.
Text ©Cedric Schneiders, Watchlounge Editor • Bilder ©Girard-Perregaux









