Frederique Constant Neuheiten 2026: Classic Worldtimer und Classics Manchette bei Watches & Wonders

Ein neues Manufakturkaliber, 72 Stunden Gangreserve und zwei Schmuckuhren zwischen Türkis, Mintgrün und Clou de Paris

Frederique Constant zeigt auf der Watches & Wonders 2026 keinen breit gestreuten Neuheitenjahrgang, sondern einen sehr klaren Auftritt mit zwei Polen. Auf der einen Seite steht die Classic Worldtimer Manufacture, eines der wichtigsten Modelle der Genfer Marke, nun mit neuem Manufakturkaliber, kleinerem Gehäuse und reduzierterem Zifferblatt. Auf der anderen Seite kehrt die Classics Manchette in zwei neuen Ausführungen zurück, deutlich stärker als Schmuckuhr gedacht, mit Manschettenband, Clou-de-Paris-Struktur und farbigen Zifferblättern zwischen Türkis und Mintgrün.

Gerade dieser Kontrast macht diese Neuheiten interessant. Die Worldtimer steht für das, was Frederique Constant seit Jahren als eigene Position in der Schweizer Uhrenlandschaft pflegt: zugängliche Manufakturmechanik mit echter Komplikation und hohem Gebrauchswert. Die Manchette wiederum zeigt eine andere Seite der Marke. Weniger Werkarchitektur, mehr Form. Weniger Reiseinstrument, mehr Schmuckobjekt.

Classic Worldtimer Manufacture: kleineres Gehäuse und neues Kaliber

Die Classic Worldtimer Manufacture gehört seit ihrer Einführung 2012 zu den charakteristischsten Uhren von Frederique Constant. Ihr Reiz lag immer in einer ungewöhnlichen Kombination: Weltzeit-Komplikation, Manufakturwerk, klassische Gestaltung und ein Preisniveau, das deutlich unter vielen etablierten Worldtimer-Modellen liegt. 2026 wird diese Uhr nun nicht nur farblich aktualisiert, sondern technisch und formal spürbar neu aufgestellt. Das Gehäuse schrumpft von 42 auf 40 mm, die Datumsanzeige entfällt, und im Inneren arbeitet das neue Manufakturkaliber FC-719. Damit wirkt die Uhr nicht wie eine bloße Modellpflege, sondern wie eine konzentriertere Version einer bereits bekannten Idee.

Der wichtigste Schritt sitzt im Werk. Das FC-719 ist das 35. intern entwickelte Kaliber von Frederique Constant und steigert die Gangreserve von bisher 38 auf nun 72 Stunden. Das ist mehr als ein Datenblattwert. Eine Worldtimer ist eine Uhr, die oft nicht täglich in derselben Routine getragen wird. Drei volle Tage Gangreserve machen sie alltagstauglicher, gerade wenn sie im Wechsel mit anderen Uhren getragen wird. Bemerkenswert ist dabei, dass die Frequenz bei 4 Hz bleibt und das Werk trotz längerer Federhausfeder in ein kleineres Gehäuse passt. Das Kaliber misst 30 mm im Durchmesser, ist 7,05 mm hoch, besteht aus 193 Komponenten und arbeitet mit 26 Steinen.

Auch das Worldtimer-Modul folgt weiterhin Frederique Constants Stärke: einfache Bedienbarkeit. Alle Funktionen werden über die Krone eingestellt, ohne zusätzliche Korrekturdrücker im Gehäuse. Das ist bei einer Reiseuhr nicht nur elegant, sondern praktisch. Wer unterwegs eine Uhr stellt, möchte keinen Stift für versenkte Korrektoren suchen. Das Modul besteht aus 24 Komponenten und ermöglicht die simultane Anzeige von 24 Referenzzeitzonen. Der äußere Städtering, die 24-Stunden-Scheibe und die Tag-Nacht-Anzeige bilden zusammen die eigentliche Funktion der Uhr. Dass Frederique Constant auf das Datum verzichtet, ist deshalb konsequent. Das Blatt wird freier, die Weltzeit rückt stärker in den Mittelpunkt, und die Uhr verliert etwas von der optischen Dichte früherer Generationen.

Die neue Classic Worldtimer Manufacture erscheint in drei Varianten. Die Referenz FC-719BLW3H6 ist vermutlich die klassischste Ausführung des neuen Jahrgangs. Sie kombiniert ein poliertes Edelstahlgehäuse mit 40 mm Durchmesser und 12,53 mm Höhe mit einem blauen Verlaufzifferblatt. Im Zentrum liegt eine dunkelgraue Weltkarte im Relief, dazu kommen weiße Leuchtindizes, ein Städtering mit 24 Städten und eine 24-Stunden-Scheibe mit hellblauer Tag- und dunkelblauer Nachtanzeige. Getragen wird sie an einem navyblauen Alligatorlederband mit ecrufarbener Naht und Schnellwechselsystem. Sie ist die ruhigere, stärker klassische Worldtimer-Lesart.

Die zweite Variante, Referenz FC-719NN3H6B, bringt dieselbe technische Basis an ein neues fünfreihiges Edelstahlband. Drei satinierte Glieder wechseln sich mit zwei polierten Gliedern ab, wodurch die Uhr deutlich sportlicher und zeitgemäßer wirkt. Das marineblaue Sonnenschliff-Zifferblatt trägt eine silberfarbene Weltkarte im Relief und ebenfalls weiße Leuchtindizes. Gerade am Stahlband verändert sich der Charakter der Uhr. Sie wirkt weniger wie eine klassische Reiseuhr am Lederband, sondern stärker wie ein moderner Alltags-Worldtimer mit Manufakturwerk.

Die dritte Version ist die auffälligste. Die FC-719LBWD3DH6 ist auf 88 Exemplare limitiert, eine Referenz an das Gründungsjahr 1988. Ihr Edelstahlgehäuse trägt 70 Diamanten auf der Lünette, das hellblaue Sonnenschliff-Zifferblatt ergänzt 12 Diamantindizes. Insgesamt kommen 0,785 Karat zum Einsatz. Die silberfarbene Weltkarte im Relief und die helle Tag-Nacht-Scheibe geben der Uhr eine deutlich luftigere, fast frostige Wirkung. Geliefert wird sie mit zwei austauschbaren Alligatorlederbändern in Hellblau und Navy. Diese Version ist weniger die sachliche Reiseuhr als die schmucknähere Interpretation derselben Komplikation.

Bei allen drei Modellen bleibt die technische Basis identisch. 5 bar Wasserdichtigkeit, entspiegeltes gewölbtes Saphirglas, gravierter und transparenter Gehäuseboden, Schnellwechselsystem und ein sichtbares Werk mit Perlage, Genfer Streifen im Sonnenschliff sowie satiniertem und schneckenförmig verziertem Rotor. Damit bewegt sich die Classic Worldtimer Manufacture weiterhin genau in jenem Feld, das Frederique Constant gut beherrscht: klassische Schweizer Uhrmacherei mit Manufakturanspruch, aber ohne die Distanz vieler deutlich teurerer Weltzeituhren.

Classics Manchette: Clou de Paris, Türkis und Mintgrün als Schmuckuhr-Gegenpol

Die zweite Neuheitengruppe wirkt auf den ersten Blick wie das komplette Gegenteil der Worldtimer. Die Classics Manchette ist keine Uhr, die über ein kompliziertes Werk oder eine Reise-Funktion argumentiert. Sie ist eine Armband-Uhr im wörtlichen Sinn: ein schmales, manschettenartiges Schmuckobjekt, in das eine minimalistische Zeitanzeige eingebettet ist. Frederique Constant positioniert sie bewusst mit einem Glamrock-Unterton, doch im Kern geht es um eine sehr klassische Idee der Schmuckuhr: Gehäuse, Band und Zifferblatt sollen nicht getrennt wirken, sondern als eine durchgehende Form.

Beide neuen Modelle messen 25,70 × 20 mm und sind nur 6,45 mm hoch. Im Inneren arbeitet jeweils das Quarzkaliber FC-200 mit Stunden und Minuten, vier Steinen und 60 Monaten Batterielaufzeit. Die Wasserdichtigkeit liegt bei 3 ATM. Technisch ist das bewusst reduziert, denn die Manchette will nicht über mechanische Komplexität überzeugen. Ihr Thema ist die Oberfläche. Das siebenreihige Armband trägt eine Clou-de-Paris-Struktur, die der Uhr deutlich mehr Präsenz gibt als ihre Maße vermuten lassen. Sie ist eher Manschette als klassische kleine Damenuhr.

Die Referenz FC-200TU1MC5B ist die extrovertiertere der beiden Versionen. Gehäuse und Armband bestehen aus Edelstahl mit gelbgoldfarbener PVD-Beschichtung, dazu kommt ein echtes Türkis-Zifferblatt. Jedes Blatt ist durch die natürliche Struktur des Steins ein Unikat. Frederique Constant verzichtet auf Indizes, Datumsfenster oder dekorative Zusatzebenen. Zwei gelbgoldfarbene Zeiger, Signatur, Stein. Genau dadurch bleibt die Uhr trotz kräftiger Farbe klar und grafisch. Goldton und Türkis erzeugen einen starken Kontrast, der an Schmuck mehr erinnert als an klassische Uhrmacherei.

Die zweite Variante, FC-200GR1MC6B, setzt auf polierten Edelstahl und ein mintgrünes Zifferblatt mit Sonnenschliff. Sie ist kühler, heller und etwas zurückhaltender. Das Clou-de-Paris-Band gibt ihr weiterhin Struktur, doch das mintgrüne Blatt wirkt weicher als der Türkisstein der Schwesterreferenz. Wenn die goldfarbene Version eher die Abendseite der Manchette zeigt, dann ist diese Stahlvariante die leichtere, alltagstauglichere Interpretation. Beide Uhren zeigen, dass Frederique Constant die Classics-Linie nicht nur über traditionelle Runduhren und Komplikationen denkt, sondern auch über Form, Schmucknähe und modische Präsenz.

Einordnung

Die Frederique-Constant-Neuheiten 2026 sind kein großer Rundumschlag, aber gerade deshalb gut lesbar. Die Classic Worldtimer Manufacture ist eindeutig die technische Hauptneuheit. Sie wird kleiner, klarer und praktischer, vor allem durch das neue Kaliber FC-719 mit 72 Stunden Gangreserve und den Verzicht auf das Datum. Die Funktion bleibt anspruchsvoll, die Bedienung bleibt einfach, und die drei Varianten decken Lederband-Klassik, Stahlband-Alltag und limitierte Schmuckversion sauber ab.

Die Classics Manchette setzt dazu einen bewusst anderen Akzent. Sie ist keine Manufakturdemonstration, sondern eine Designuhr mit Schmuckcharakter. Türkis, Mintgrün, Clou de Paris und Manschettenform zeigen eine Seite von Frederique Constant, die weniger über Komplikation als über Stil funktioniert.

Weitere Informationen zu Frederique Constant finden Sie auf der Seite der Marke hier.


Text ©Cedric Schneiders, Watchlounge Editor • Bilder ©Frederique Constant