Vacheron Constantin Métiers d’Art Hommage an das Tierreich

Sechs Handwerke auf 42 Millimetern

Vacheron Constantin erweitert mit Métiers d’Art Hommage an das Tierreich die klassische Welt der uhrmacherischen Kunsthandwerke. Sechs Künstler übertragen Federkunst, Glasskulptur, Mikro-Origami, Goldstickerei, Papierplastik und Holzintarsien in den Maßstab eines Zifferblatts. Gemeinsam ist den sechs Konzeptuhren das Kaliber 2460 G4, das die Zeitanzeige an den Rand verlegt und die Mitte vollständig der Kunst überlässt.

Ein Zifferblatt als Versuchslabor

Das Projekt gehört zum „One of Not Many Crafts Programme“, mit dem Vacheron Constantin gezielt Handwerke in die Uhrmacherei holt, die dort bislang kaum oder gar nicht vertreten waren. Die sechs beteiligten Künstler arbeiteten zuvor nicht in diesem Maßstab. Innerhalb eines 42 Millimeter großen Gehäuses standen zwischen Zifferblatt und Saphirglas lediglich vier Millimeter Raum zur Verfügung. Werkzeuge mussten neu entwickelt, Materialien anders verarbeitet und vertraute Techniken auf Größenordnungen reduziert werden, bei denen bereits wenige Zehntelmillimeter entscheidend sind.

Die gemeinsame technische Grundlage schafft das automatische Kaliber 2460 G4. Es zeigt Stunden, Minuten, Wochentag und Datum über vier Öffnungen am äußersten Rand des Zifferblatts an. Zeiger über der Mitte entfallen, sodass die gesamte zentrale Fläche für die jeweilige Komposition frei bleibt. Das Werk misst 31 Millimeter im Durchmesser und 6,05 Millimeter in der Höhe, arbeitet mit 4 Hertz und bietet 40 Stunden Gangreserve. Es besteht aus 237 Komponenten und 27 Rubinen. Alle sechs Uhren messen 42 Millimeter bei 12,9 Millimetern Höhe und sind bis 3 bar wasserdicht. Durch den Saphirglasboden ist außerdem eine eigens für die Serie gestaltete Schwungmasse aus 22-karätigem Gold sichtbar, deren Handgravur Werkzeuge der jeweiligen Kunsthandwerke aufgreift.

Gefiederte Schlange: Federkunst auf drei Millimetern

Bei der „Gefiederten Schlange“ überträgt Julien Vermeulen die Mikro-Plumasserie auf ein Zifferblatt. Mehr als 200 winzige Elemente aus sieben seltenen Glanzfasan-Federn formen den Körper der Schlange, während Gänsefedern für Blattwerk und Hintergrund verwendet werden. Die Federn wurden auf Seidenpapier aufgebracht, zugeschnitten und auf eine speziell entwickelte Metallapplike gesetzt.

Das Tier ragt lediglich drei Millimeter über die Oberfläche hinaus. Allein Recherche, Prototypen und Ausführung beanspruchten rund 250 Arbeitsstunden. Das Auge aus 18-karätigem Gold und Emaille setzt einen kleinen festen Punkt in die schillernde Komposition. Das Gehäuse besteht aus Weißgold.

Glasoktopus: Skulptur aus transparentem Glas

Noch ungewöhnlicher wirkt der „Glasoktopus“ von Simone Crestani. Die transparente Skulptur entsteht aus winzigen Glasstäben, die geschmolzen, mit speziell entwickelten Tungsten-Werkzeugen geformt und Stück für Stück miteinander verbunden werden. Jeder Tentakel und selbst die Saugnäpfe werden einzeln aufgebaut.

Um die komplexe Form innerhalb des verfügbaren Raums unterzubringen, entwickelte Crestani eine 2,5D-Technik. Der Oktopus ragt nur 3,5 Millimeter hervor und schwebt über einer dunkelblau beschichteten Goldbasis. Das Modell besitzt ein Gehäuse aus 18-karätigem Roségold.

Origami-Rochen: sechs Tiere aus Japanpapier

Anya Midori faltet für den „Origami-Rochen“ sechs Mantarochen aus handkoloriertem Japanpapier. Die Tiere messen zwischen fünf und zehn Millimetern und sitzen auf feinen Messingstäben in unterschiedlichen Höhen. Darunter liegt eine von Hand guillochierte und blau beschichtete Grundplatte aus Gold.

Ein Moiré-Effekt im Glas verstärkt den Eindruck von Lichtbrechungen unter Wasser. Für das Projekt musste Midori eine eigene Faltsequenz entwickeln. Ausgangspunkt waren Studien realer Mantarochen und ihrer Bewegungen. Die Komposition sitzt in einem Gehäuse aus Weißgold.

Tigerstickerei: Goldfäden statt Farbe

Bei Laura Baverstocks „Tigerstickerei“ wird das Zifferblatt zur textilen Miniatur. Der Tiger entsteht aus Fäden aus 9-karätigem Gelb- und Weißgold. Für die schwarzen Streifen dient mit schwarzer Keramik beschichteter Kupferdraht, während die Augen mit verschiedenen Seidenfarben ausgearbeitet sind.

Das Tier bewegt sich durch eine auf grüne Seide gestickte Vegetation aus japanischer Seide. Weil die üblichen Werkzeuge für diese Dimensionen zu groß waren, entstanden unter anderem Nadeln mit nur 0,25 Millimetern Stärke. Rund 175 Arbeitsstunden flossen in das Zifferblatt. Auch dieses Modell besitzt ein Weißgoldgehäuse.

Papierkrokodil: Relief ohne Farbe

Marianne Guély verfolgt beim „Papierkrokodil“ einen vollkommen anderen Ansatz. Tier und Landschaft bleiben vollständig weiß. Baumwollpapier mit unterschiedlichen Flächengewichten wird geprägt, lasergeschnitten, geschichtet und von Hand zusammengesetzt.

Das nur drei Millimeter hohe Relief lebt dadurch von Licht und Schatten. Selbst die Schuppen entstehen über gravierte Messingmatrizen, die auf 60 bis 70 Grad erhitzt und anschließend unter Druck auf das Papier übertragen werden. Das monochrome Zifferblatt sitzt in einem Gehäuse aus 18-karätigem Roségold.

Holzflügel: ein Falke aus Intarsien

Die sechste Uhr widmet sich der Holzintarsie. Anna Le Corno baut einen Falken aus unterschiedlich gemaserten, geräucherten und gefärbten Hölzern auf. Drei Techniken kommen zusammen: runde Marketerie für den Hintergrund, geschichtete und anschließend geschnitzte Einlegearbeit für den Körper sowie eine eigens entwickelte „Feder-für-Feder“-Methode für den freitragenden Flügel.

Die gesamte plastische Konstruktion bleibt innerhalb einer Höhe von drei Millimetern. Klassische Werkzeuge waren dafür ungeeignet, weshalb unter Binokularvergrößerung mit Mikro-Skalpellen, Karbidbohrern und eigens gefertigten Sandstrahlinstrumenten gearbeitet wurde. Das Gehäuse besteht aus Roségold.

Sechs Uhren, sechs eigenständige Disziplinen

Métiers d’Art Hommage an das Tierreich ist weniger eine klassische Kollektion als ein gemeinsames Experiment von Künstlern und Uhrmachern. Die Architektur des Kalibers 2460 G4 schafft für alle sechs Uhren dieselbe Grundlage, doch die Materialien könnten unterschiedlicher kaum sein. Federn, Glas, Papier, Seide, Goldfäden und Holz werden auf wenige Millimeter reduziert, ohne ihren eigenen Charakter zu verlieren.

Damit setzt Vacheron Constantin die lange Beschäftigung der Maison mit Motiven aus der Natur fort. Tierdarstellungen finden sich bereits auf historischen Kreationen des Hauses und wurden über Generationen mit unterschiedlichsten dekorativen Techniken umgesetzt. Entscheidend ist bei den sechs neuen Konzeptuhren jedoch weniger das Tiermotiv selbst als die Art seiner Umsetzung. Jede Kreation zeigt, wie weit sich ein traditionelles Handwerk miniaturisieren lässt, wenn Künstler und Uhrmacher gemeinsam innerhalb der konstruktiven Grenzen einer mechanischen Armbanduhr arbeiten.

Weitere Informationen zu Vacheron Constantin finden Sie auf der Seite der Marke hier.


Text ©Cedric Schneiders, Watchlounge Editor • Bilder ©Vacheron Constantin