Roger Dubuis Excalibur The Kabuto Legacy: Zwölf Helme erzählen die Geschichte eines Reiches

Zwölf mikroskulptierte Kabuto, die Burg Edo und eine der aufwendigsten Excalibur-Editionen der vergangenen Jahre

Es gibt Uhren, deren Geschichte mit einem Werk beginnt. Andere stellen ein Material in den Mittelpunkt oder widmen sich einer einzelnen historischen Persönlichkeit. Die neue Excalibur The Kabuto Legacy verfolgt einen umfassenderen Ansatz. Sie greift ein entscheidendes Kapitel der japanischen Geschichte auf und verdichtet es auf wenigen Quadratzentimetern zu einer räumlichen Komposition.

Auf diesem Zifferblatt gibt es keine klassischen Stundenindizes. An ihrer Stelle stehen zwölf Helme. Jeder misst nur wenige Millimeter, jeder besitzt eine eigene Silhouette und jeder verweist auf eine historische Persönlichkeit. Gemeinsam bilden sie einen Kreis um die Burg Edo, deren tiefblaue Dächer sich in mehreren Ebenen über dem Werk erheben.

Die Uhr erschließt sich nicht mit einem einzigen Blick. Aus der Entfernung dominieren Roségold, Indigo und die kraftvolle Architektur der Excalibur. Aus der Nähe treten die Unterschiede zwischen den einzelnen Kabuto hervor. Geweihe, Schwerter, Federn, Hörner und Mondsicheln machen aus den zwölf Skulpturen individuelle Porträts. Auf der Rückseite erscheinen schließlich die Familienwappen jener Männer, die auf der Vorderseite durch ihre Helme vertreten sind.

Vom Zeitalter der Konflikte zur Edo-Zeit

Das Japan des späten 16. Jahrhunderts war von jahrzehntelangen Machtkämpfen geprägt. Während der Sengoku-Zeit rangen regionale Fürsten um Territorien, Einfluss und politische Vorherrschaft. Oda Nobunaga gelang es zunächst, große Teile des Landes unter einer gemeinsamen Führung zusammenzuführen. Nach seinem Tod setzte Toyotomi Hideyoshi diesen Prozess fort. Vollendet wurde die politische Einigung durch Tokugawa Ieyasu. Nach seinem Sieg in der Schlacht von Sekigahara im Jahr 1600 erhielt er drei Jahre später den Titel des Shōgun und begründete das Tokugawa-Shōgunat. Edo, das heutige Tokio, wurde zum Zentrum einer Ordnung, die Japan über mehr als zweieinhalb Jahrhunderte prägen sollte.

Die Excalibur The Kabuto Legacy konzentriert sich auf genau diesen Übergang. Sie erzählt nicht vom Krieg als spektakulärem Selbstzweck, sondern von dem Moment, in dem militärische Macht in eine dauerhafte politische Struktur überging. Die zwölf Bushō auf dem Zifferblatt stehen deshalb nicht allgemein für die Samurai-Kultur. Sie verkörpern konkrete Persönlichkeiten, die an der Entstehung, Sicherung und Ausgestaltung dieser neuen Ordnung beteiligt waren.

Für die historische und kulturelle Beratung arbeitete Roger Dubuis mit Frederik Cryns zusammen. Der Professor für japanische Geschichte war auch als historischer Berater an der Fernsehserie „Shōgun“ beteiligt. Seine Expertise half dabei, die Kabuto, Kamon und Biografien der dargestellten Kommandanten nachvollziehbar miteinander zu verbinden. Diese Genauigkeit ist für eine Uhr mit einem derart konkreten historischen Thema entscheidend. Die japanische Geschichte dient hier nicht als austauschbare Kulisse. Jede Form auf dem Zifferblatt besitzt eine belegbare Herkunft und eine eigene Bedeutung.

Der Kabuto als Porträt

Ein Kabuto war weit mehr als der obere Teil einer Rüstung. Er schützte seinen Träger, machte ihn auf dem Schlachtfeld erkennbar und vermittelte zugleich Rang, Herkunft und Selbstverständnis. Besonders die Maedate an der Vorderseite sowie die seitlich angebrachten Wakidate entwickelten sich zu persönlichen Erkennungszeichen. Ihre Formen konnten religiöse Überzeugungen, militärische Tugenden oder die Geschichte eines Clans ausdrücken. Manche Helme trugen Geweihe, andere Schwerter, Mondsicheln, Federn, Pflanzen oder monumentale Hörner. Funktion und Repräsentation waren dabei untrennbar miteinander verbunden.

Roger Dubuis greift diese Individualität auf und überträgt sie in den Maßstab einer Armbanduhr. Jeder der zwölf Kabuto wird aus 18-karätigem Roségold mikroskulptiert und anschließend von Hand graviert. Die Bearbeitung eines einzelnen Helms beansprucht zwei bis drei Tage. Ein erheblicher Teil dieser Arbeit entfällt auf die filigranen Front- und Seitenornamente, die den jeweiligen Träger eindeutig kennzeichnen. Bei 12 Uhr steht Tokugawa Ieyasu. Sein haubenförmiger Kabuto trägt einen Farnwedel als Maedate. Das immergrüne Gewächs steht für Wohlstand, Beständigkeit und ein langes Leben. Die Position an der Spitze des Zifferblatts entspricht seiner Rolle als Begründer der neuen politischen Ordnung.

Direkt daneben folgt Honda Tadakatsu. Die weit aufragenden Hirschgeweihe seines Helms gehören zu den bekanntesten Silhouetten der Samurai-Geschichte. Der Überlieferung nach verwiesen sie auf einen heiligen Hirsch, der Ieyasus Truppen den Weg durch einen überfluteten Fluss gewiesen haben soll. Das Motiv wurde damit zum Zeichen göttlichen Schutzes. Bei 2 Uhr erscheint Sakai Tadatsugu. Sein aus zahlreichen vertikalen Rippen aufgebauter Kabuto trägt ein schwertförmiges Frontornament. Die Klinge steht für Rechtschaffenheit und die Kraft, das Böse abzuwehren. Mizuno Katsunari folgt bei 3 Uhr mit einem schwarz lackierten Helm und einem Shigami, einer furchteinflößenden Schutzfigur.

Bei 4 Uhr steht Sakakibara Yasumasa. Auch sein Helm wird von einem Schwertmotiv bestimmt, das hier Urteilskraft, Geradlinigkeit und Loyalität ausdrückt. Auf 5 Uhr folgt Date Masamune mit einer großen asymmetrischen Mondsichel. Der als „Einäugiger Drache“ bekannte Herrscher von Sendai trägt damit einen der bis heute berühmtesten Kabuto überhaupt. Der untere Teil des Kreises beginnt mit Itakura Katsushige. Sein Helm trägt Federschmuck, der Schnelligkeit und genaue Wahrnehmung symbolisiert. Kuroda Nagamasa ist bei 7 Uhr an einer silbernen, steil aufragenden Konstruktion zu erkennen, deren Form an die Klippe von Ichinotani erinnert. Bei 8 Uhr erscheint Hosokawa Tadaoki mit einem schwarz lackierten Kabuto und langem Federschmuck. Seine Rüstung verweist auf einen Mann, der militärische Erfahrung mit einer ausgeprägten Nähe zur Teezeremonie verband.

Bei 9 Uhr steht Ii Naomasa. Die weit aufragenden goldenen Tenshō seines Helms erinnern an den Befehlshaber der sogenannten Roten Teufel. Seine Reiter trugen rote Rüstungen und führten bei Sekigahara den ersten Angriff der östlichen Armee. Asano Nagamasa folgt mit mächtigen Wasserbüffelhörnern, während Katō Yoshiaki den Kreis mit einem spitz zulaufenden Helm und Federschmuck schließt. Die Vielzahl der Formen erzeugt einen unregelmäßigen Rhythmus. Im Streiflicht verändern sich Höhen, Konturen und Schatten. Dadurch wirken die Kabuto nicht wie zwölf dekorative Wiederholungen, sondern wie zwölf eigenständige Skulpturen.

Die Burg Edo im Zentrum

Während die zwölf Bushō den äußeren Kreis bilden, gehört das Zentrum der Burg Edo. Roger Dubuis verzichtet auf eine naturalistische Miniatur und zerlegt die Architektur der Festung stattdessen in klare geometrische Ebenen. Die Konstruktion besteht aus siebzehn einzelnen Elementen. Sieben Dachkomponenten aus Roségold erhalten eine blaue CVD-Beschichtung, sechs weitere werden schwarz PVD-beschichtet. Hinzu kommen drei Gebäudeelemente aus Roségold und eine schwarz beschichtete Bodenfläche mit lasergraviertem Dekor.

Das tiefe Blau orientiert sich an Indigo, einem Farbstoff, der die japanische Textil- und Kleidungskultur über Jahrhunderte prägte. Auf der Uhr bildet er einen kühlen Gegenpol zum warmen Roségold und verbindet die Burg optisch mit dem Flansch, der Krone und dem Armband. Vier unterschiedliche Veredelungstechniken geben der Architektur ihre räumliche Wirkung. Polierte und hochglanzpolierte Flächen treffen auf kreisförmige Satinierung und Kugelstrahlen. Manche Elemente reflektieren das Licht scharf, andere nehmen es weich auf. Schon eine kleine Bewegung des Handgelenks verändert dadurch die Wahrnehmung der gesamten Konstruktion.

Von vorne wirkt die Burg streng und fast grafisch. Aus einem flacheren Winkel werden die Abstände zwischen den einzelnen Dächern sichtbar. Schatten entstehen in den Zwischenräumen und lassen erkennen, wie weit sich das Zifferblatt in das Gehäuse hinein entwickelt. Historisch war Edo das Zentrum des Tokugawa-Shōgunats. Auf der Uhr übernimmt die Festung dieselbe ordnende Funktion. Um sie gruppieren sich jene Bushō, deren militärisches, diplomatisches und administratives Wirken zur neuen politischen Ordnung beitrug. Die Architektur steht deshalb nicht zufällig im Mittelpunkt. Sie bildet den Ort, auf den sich die gesamte Erzählung bezieht. Zwei satinierte Zeiger aus Roségold bewegen sich über der zentralen Konstruktion. Auf eine Sekundenanzeige und ein Datum verzichtet Roger Dubuis. Angesichts der gestalterischen Dichte ist diese Reduktion konsequent. Jede zusätzliche Anzeige würde mit der Burg und den zwölf Kabuto konkurrieren.

Excalibur als Bühne

Die Excalibur bietet für dieses Projekt eine passende Grundlage. Große Durchmesser, markante Lünetten und eine offen inszenierte Architektur prägen die Kollektion. Bei der Kabuto Legacy besteht es aus 18-karätigem Roségold und misst 45 Millimeter im Durchmesser. Die Höhe beträgt 16,87 Millimeter. Die charakteristische Lünette mit ihren tief eingeschnittenen Kerben fasst die komplexe Zifferblattkonstruktion kraftvoll ein. Zwischen ihr und dem Mittelteil sitzt ein Ring aus Saphirglas. Er öffnet den Blick auf die Seite des Zifferblatts und macht die verschiedenen Ebenen der Burg auch außerhalb der frontalen Perspektive sichtbar.

Die Krone führt das Farbkonzept fort. Ein tiefblauer Glaseinsatz bildet einen kühlen Kontrast zum Roségold und nimmt den Ton der Dächer im Zentrum wieder auf. Die Wasserdichtigkeit beträgt 3 bar. Das dunkelblaue Kalbslederarmband besitzt aufgesetzte und vernähte Lederstreifen. Ihre geschichtete Struktur erinnert an die Lamellen einer Samurai-Rüstung. Über das Quick Release System lässt sich das Band ohne Werkzeug austauschen. Ein zweites Lederarmband gehört zum Lieferumfang. Die dreifach gefaltete Schließe trägt eine Abdeckung aus Roségold.

Zwölf Kamon auf der Rückseite

Die historische Zuordnung setzt sich auf dem Gehäuseboden fort. Dort sind die zwölf Kamon der dargestellten Bushō in einen blau beschichteten Ring aus Roségold lasergraviert. Kamon kennzeichneten Familien, Clans und politische Zugehörigkeiten. Ihre klaren grafischen Formen eignen sich besonders für die kreisförmige Anordnung auf dem Gehäuseboden. Malvenblätter, Pflanzen, Räder, Blüten und geometrische Zeichen bilden das Gegenstück zu den plastischen Kabuto auf der Vorderseite.

Diese Aufteilung ist sorgfältig gewählt. Der Helm zeigt die individuelle Erscheinung des Bushō, das Wappen seine familiäre und politische Herkunft. Erst beide Seiten der Uhr zusammen vervollständigen die Darstellung. Im Zentrum des Saphirglasbodens ist das automatische Kaliber RD821 sichtbar. Sein Rotor wurde für diese Edition gestaltet und fügt sich in die konzentrische Ordnung des Gehäusebodens ein.

Das Kaliber RD821

Das RD821 besitzt einen Durchmesser von 11,5 Linien und ist 3,5 Millimeter hoch. Es besteht aus 172 Komponenten und 33 Lagersteinen. Die Unruh arbeitet mit 28.800 Halbschwingungen pro Stunde, die Gangreserve beträgt 48 Stunden. Seine vergleichsweise geringe Höhe ist für diese Uhr von besonderer Bedeutung. Sie schafft den Raum, den die mehrteilige Architektur auf der Vorderseite benötigt. Die Burg Edo und die zwölf Kabuto können sich über mehrere Ebenen entfalten, ohne dass das Gehäuse allein durch das Werk weiter anwachsen muss. Roger Dubuis versieht das Kaliber mit vierzehn unterschiedlichen Finissierungstechniken. Polierte Kanten, satinierte Flächen, kreisförmige Schliffe und mattierte Bereiche erzeugen ein Wechselspiel aus Licht und Struktur.

Die Bearbeitung beschränkt sich nicht auf unmittelbar sichtbare Komponenten. Auch Flächen, die nach der Montage kaum noch zugänglich sind, werden vollständig veredelt. Das RD821 trägt den Poinçon de Genève. Das 1886 eingeführte Genfer Siegel stellt Anforderungen an Herkunft, Konstruktion und Verarbeitung. Seit der Erweiterung seiner Kriterien wird nicht mehr allein das Uhrwerk beurteilt. Auch die Funktion der vollständigen Uhr, ihre Ganggenauigkeit, Gangreserve und Wasserdichtigkeit fließen in die Prüfung ein. Für Roger Dubuis gehört diese Zertifizierung seit den frühen Jahren der Manufaktur zum eigenen Verständnis von Haute Horlogerie. Sie verbindet die moderne, expressive Formensprache der Marke mit den handwerklichen Regeln der Genfer Uhrmacherei.

Einordnung

Die Excalibur The Kabuto Legacy ist auf 28 Exemplare limitiert. Zwölf von Hand gravierte Kabuto, siebzehn Bauteile für die Burg Edo, die verschiedenen Beschichtungen und Oberflächen sowie die Finissierung des RD821 machen jede Uhr zu einem umfangreichen handwerklichen Projekt.

Bemerkenswert ist vor allem die Konsequenz des Gesamtkonzepts. Die historische Erzählung beginnt auf dem Zifferblatt, setzt sich im Gehäuse und im Armband fort und endet auf der Rückseite. Kabuto und Kamon gehören ebenso zusammen wie die zwölf Bushō und die Burg Edo.

Die Excalibur bleibt dabei unverkennbar Roger Dubuis. Sie ist groß, räumlich und bewusst präsent. Ihre Geschichte wird nicht in die Zurückhaltung einer klassischen Kunsthandwerksuhr übersetzt, sondern in die expressive Architektur der Marke eingebunden.

Weitere Informationen zu Roger Dubuis finden Sie auf der Seite der Marke hier.


Text ©Cedric Schneiders, Watchlounge Editor • Bilder ©Roger Dubuis