Cartier × The King’s Foundation

Métiers d’Art als Nachwuchsarbeit: Ein Fellowship, das Emaille, Marqueterie und Uhrwerk wieder zusammenbringt

Es gibt Kooperationen, die am Produkt haften bleiben. Und es gibt Kooperationen, die dort ansetzen, wo Produkte überhaupt erst möglich werden. Die neue dreijährige Partnerschaft zwischen Cartier und The King’s Foundation gehört zur zweiten Kategorie. Sie ist kein Launch, der eine Referenz „begleitet“, sondern ein Programm, das Fähigkeiten schützt. Nicht abstrakt, sondern konkret. Emailtechniken wie Champlevé und Grisaille, dazu Marqueterie. Alles Disziplinen, die nicht von Trendzyklen leben, sondern von Werkbankzeit, Werkzeuggefühl und dem Wissen, wie Material sich verhält, wenn man ihm wirklich nahekommt.

Programm statt Prestige

Der Kern ist ein postgraduate Fellowship mit bursary-finanzierter Struktur, ausgelegt auf sieben Monate. Fünf Monate formale Ausbildung, zwei Monate Projektphase. Das klingt zunächst wie ein Kursplan, ist aber als Haltung viel größer. Denn Métiers d’Art in der Uhrmacherei sind selten „Module“, die man nebenbei lernt. Sie sind Spezialisierung, und Spezialisierung braucht Zeit, Wiederholung, und eine Umgebung, die Fehler zulässt, bevor sie Qualität zulässt. Genau dafür ist das Programm gebaut.

Die erste Kohorte soll ihre Arbeiten in einer Abschlussausstellung im Frühjahr 2027 präsentieren. Bewerbungen sind ab Frühjahr 2026 vorgesehen, konkret ab dem 27. April über die Website der King’s Foundation.

Dumfries House und La Chaux-de-Fonds: Zwei Orte, ein Handwerk

Auch der Aufbau der Ausbildung ist interessant, weil er zwei sehr unterschiedliche Orte zusammenzieht. Basis ist Dumfries House in Ayrshire, Schottland, der Hauptsitz der King’s Foundation. Dort wohnen die Teilnehmenden während der Studienzeit vor Ort. Ergänzt wird das Ganze durch Residential Experiences in der Maison des Métiers d’Art von Cartier in der Schweiz. Das ist nicht nur ein „Plus“ fürs Branding, sondern eine Strukturentscheidung: Das Handwerk wird in einem Umfeld gelernt, das kulturell anders tickt, aber denselben Anspruch an Genauigkeit hat.

Cartiers Maison des Métiers d’Art sitzt in La Chaux-de-Fonds, direkt neben der Cartier Watchmaking Manufacture. Gegründet wurde sie 2014, als bewusster Ort für die höchste Ausprägung des kreativen und technischen Könnens der Maison. Die Nähe zur Manufaktur ist dabei mehr als praktisch. Sie ist ein Statement: Dekorationskunst ist keine separate Welt, sondern Teil des Uhrmacherei-Ökosystems.

Wer von dem Programm angesprochen wird

Das Fellowship richtet sich an UK-basierte Schmuck- und Uhrenabsolventen oder an junge Designerinnen und Designer in den ersten drei Jahren ihrer Selbstständigkeit, die technische Tiefe aufbauen wollen. Das ist ein gutes, realistisches Zielpublikum. Denn Métiers d’Art sind selten ein schneller Karrierehebel. Sie sind eher eine zweite Ausbildung, die das eigene Profil schärft, wenn man bereits gestalterisch „sprechen“ kann und nun lernen will, wie man diese Sprache materialisiert.

Inhaltlich liegt der Fokus auf Emaille in spezifischen historischen Techniken und auf Marqueterie. Das sind exakt jene Bereiche, in denen Uhrmacherei sonst schnell auseinanderfällt. Design hier, Mechanik dort, Dekor als Applikation. Diese Disziplinen holen alles wieder zusammen. Emaille ist keine „Farbe“, sondern Temperatur, Metallverhalten, Schichtlogik. Marqueterie ist nicht „Muster“, sondern Präzision im kleinsten Maßstab, bei dem Material nicht nur gut aussehen, sondern dauerhaft funktionieren muss.

Cartier und die Frage, was „Weitergeben“ konkret bedeutet

Cartier rahmt das Programm als Fortsetzung einer langen Tradition der Talentförderung und der Weitergabe von Savoir-faire in Manufacture und Ateliers. Der Satz ist bekannt, aber hier bekommt er Substanz, weil er an einen konkreten Lehrplan und konkrete Orte gebunden ist. Dazu passt, dass Cartier seit fast 30 Jahren bereits ein Format für junge Uhrmacher talente etabliert hat, den „Cartier Prize for Watchmaking Talents of Tomorrow“. Das neue Fellowship verschiebt den Fokus stärker in die dekorativen Disziplinen.

Und es gibt noch eine zweite Ebene. Cartier hält den Royal Warrant als Jewellers and Watchmakers to His Majesty The King. In Kombination mit The King’s Foundation entsteht damit eine Partnerschaft, die nicht nur inhaltlich passt, sondern auch symbolisch schlüssig ist. Nicht als höfische Kulisse, sondern als Hinweis darauf, dass Handwerk hier als kulturelle Verantwortung verstanden wird.

Einordnung

Was an dieser Ankündigung überzeugt, ist ihre Nüchternheit. Sie verspricht nicht „Innovation“, sondern Ausbildung. Sie setzt auf Techniken, die langsam sind, und auf Orte, die als Werkstatt funktionieren, nicht als Bühne. Und sie trifft damit einen Punkt, den die Uhrenwelt gern romantisiert, aber selten strukturell löst: Dass seltene Fertigkeiten nur dann überleben, wenn sie planbar weitergegeben werden. In sieben Monaten entsteht kein Meister. Aber es entsteht die nächste Stufe. Und genau das ist für Métiers d’Art oft der entscheidende Unterschied.

Weitere Informationen zu Cartier finden Sie auf der Seite der Marke hier.


Text ©Cedric Schneiders, Watchlounge Editor • Bilder ©Cartier