Breguet Tradition 2026

Vier neue Varianten, die Mechanik nach vorn holen und die Zifferblattfläche bewusst klein halten

Es gibt Uhren, die ihr Werk verstecken, damit die Anzeige sauber wirkt. Und es gibt die Tradition, die den Blick absichtlich umdreht: Mechanik als Vorderseite, Zeit als Zusatz. Genau dieses Prinzip wird 2026 nicht neu erfunden, aber sehr präzise nachgeschärft. Breguet erweitert die Tradition-Linie um neue Ausführungen, die das Off-Center-Zifferblatt noch stärker als Ruhepunkt setzen und die Architektur des Kalibers als eigentlichen Bildträger behandeln. Das Ergebnis ist keine „Skelettuhr“ im Show-Sinn, sondern eine Werkbank-Perspektive, bei der Finish, Brückenlogik und Proportionen erklären, warum diese Linie seit Jahren so eigenständig wirkt.

Gehäuse & Proportionen

Zwei Größen, zwei Haltungen. Die Tradition Seconde Rétrograde 7037 bleibt bei 38 mm und misst 12,70 mm in der Höhe. Das ist kompakt genug, um die Off-Center-Anzeige als bewusste Setzung zu lesen, aber nicht so klein, dass die sichtbare Mechanik zur Miniatur wird. Die Wasserdichtigkeit liegt bei 3 bar. Das hält die Uhr im Alltag plausibel, ohne ihr einen Sportanspruch anzudichten.

Materialseitig erscheint die 7037 in 18 Karat Weißgold sowie als Platin-Ausführung. In Weißgold trifft das weiße Grand-Feu-Emaille-Zifferblatt auf eine vollständig blaue Werkseite. In Platin wird der Kontrast dunkler gedacht: schwarzes Grand-Feu-Emaille-Zifferblatt und schwarzes Uhrwerk setzen die Mechanik noch strenger in Szene. Beide Varianten spielen mit dem typischen Tradition-Kontrast: außen klassischer Rundbau, innen eine sehr technische, symmetrische Brückenlandschaft. Auf dem Handgelenk bedeutet das: Präsenz über Struktur, nicht über Masse.

Die Tradition GMT 7067 setzt auf 40 mm bei 12,1 mm Höhe. Dadurch wirkt sie spürbar „luftiger“ in der Anzeige, weil das Blatt mehr Raum bekommt, ohne die Mechanik zu dominieren. Auch hier sind 3 bar angegeben. Diese Referenz ist in Platin 950 ausgeführt.

Als weitere Ausprägung innerhalb der Seconde-Rétrograde-Logik steht die 7038 für die Variante, bei der die Architektur bewusst mit Juwelierarbeit gekreuzt wird. Das Gehäuse ist in rhodiniertem 18-karätigem Weißgold ausgeführt, 37 mm im Durchmesser und 11,6 mm hoch, mit einer Lünette, die mit 58 Diamanten im Brillantschliff besetzt ist. Dazu kommt eine Dornschließe aus Weißgold, ebenfalls mit Diamanten besetzt, und ein schwarzes Aventurin-Zifferblatt, das die Oberfläche tiefer wirken lässt, ohne die Mechanik zu überdecken.

Zifferblatt & Anzeigenlogik

Die 7037 setzt den Akzent nicht über ein Datum, sondern über Bewegung: Die retrograde Sekunde bringt Dynamik in die Anzeige, ohne das Off-Center-Prinzip zu zerstören. Dadurch entsteht ein Pendeln zwischen Zifferblattinsel und Werkseite, das nicht nervös wirkt, sondern rhythmisch. Genau das gehört zu den Gründen, warum das Tradition-Konzept funktioniert: Anzeigen werden nicht „oben drauf“ gesetzt, sondern in die Architektur eingehängt.

Die 7067 macht etwas Ähnliches, nur mit Reisebezug. GMT kann schnell nach „zusätzlicher Zeiger, zusätzliche Unruhe“ aussehen. Hier bleibt die zweite Zeitzone als klar getrennte Information organisiert, ergänzt um eine Tag/Nacht-Anzeige. So entsteht eine Uhr, die mehr kann, ohne mehr zu schreien. Der Mehrwert liegt nicht in der Komplexität, sondern in der Lesbarkeit.

Bei den Seconde-Rétrograde-Modellen 7038 und 7097 bleibt die Zeitdarstellung bewusst reduziert, dafür kommt die Sekunde als retrograde Anzeige ins Spiel. Das ist ein schönes Detail, weil es Bewegung ins Blatt bringt, ohne das Off-Center-Prinzip zu zerstören. Die Uhr wirkt dadurch lebendig, aber nicht hektisch.

Band, Finish & Licht

Die Tradition spricht stark über Oberflächen, weil die Mechanik sichtbar ist. Anglierte Kanten, satiniertes Metall, polierte Senkungen. Das sind keine „Deko-Argumente“, sondern die einzigen Argumente, die man sieht, wenn das Werk die Vorderseite ist. Genau deshalb ist die Farblogik bei diesen Modellen so wichtig. Blau und Schwarz sind hier keine Modefarben. Sie sind Hintergründe, die Metall klar zeichnen lassen.

Die 7037 in Weißgold kombiniert die sichtbare Werkarchitektur mit einem weißen Grand-Feu-Emaille-Zifferblatt als Ruhepunkt – und setzt dem eine vollständig blaue Werkseite als Kontrast entgegen. Das wirkt klassisch, aber nicht konservativ, weil die mechanische Seite das klassische Blatt sofort bricht.

Die Platin-Ausführungen setzen denselben Gedanken härter um. Platin ist visuell zurückhaltend, aber materiell kompromisslos. Zusammen mit dunklen Zifferblättern kippt die Uhr stärker Richtung „Instrument“, obwohl sie formal eine Dresswatch bleibt.

Uhrwerk & Architektur

Im Kern dieser Neuheiten stehen mehrere Kaliberarchitekturen, die so gebaut sind, dass sie auf der Vorderseite Sinn ergeben.

Die 7037 arbeitet mit dem Kaliber 505 SR. Automatik, retrograde Sekunde als Teil der Anzeige-Architektur, und dennoch die typische Tradition-Symmetrie. Die Eckdaten: 3 Hz, 50 Stunden Gangreserve.

Die 7067 setzt auf das Kaliber 507DRF, Handaufzug, ebenfalls 3 Hz und 50 Stunden Gangreserve, kombiniert mit GMT- und Tag/Nacht-Funktionalität. Entscheidend ist hier weniger der Zahlenblock als die Layout-Disziplin. Das Werk bleibt offen und lesbar, obwohl mehr Information verarbeitet wird.

Bei der 7097 ist die technische Basis das Kaliber 505SR1, ebenfalls mit 50 Stunden Gangreserve und 3 Hz, bei 40 mm Gehäusedurchmesser und 11,8 mm Höhe, mit 3 bar Dichtheit. Diese Variante ist in 18 Karat Roségold ausgeführt und setzt damit einen deutlich wärmeren Kontrast zur eher instrumentellen Platin-Lesart der anderen Modelle.

Ursprung & Kontext

Die Tradition-Linie ist eine der wenigen modernen Kollektionen, die Historie nicht über Zitate erzählt, sondern über Konstruktion. Die Idee, das Werk auf der Zifferblattseite sichtbar zu machen, ist eng mit Breguets Souscription- und Tastuhren verknüpft. Nicht als Kopie, sondern als Perspektivwechsel: Der Besitzer sieht, was sonst nur der Uhrmacher sieht.

Dazu kommt ein Detail, das in dieser Linie mehr ist als ein hübsches Emblem: der Stoßschutz (Pare-chute). Diese Lösung gehört zu den historischen Breguet-Erfindungen – und ihr sichtbarer Einsatz in der Tradition ist ein seltener Fall von Heritage, das nicht als Story erzählt werden muss, weil es konstruktiv im Bild liegt.

Einordnung

Diese neuen Tradition-Varianten zeigen vor allem, wie stabil die Grundidee der Linie ist. Bei der 7037 wird das besonders deutlich: retrograde Sekunde als kontrollierte Bewegung, 38 mm als bewusstes Maß, Mechanik als Vorderseite. Die 7067 erweitert das Konzept funktional, ohne es zu verwässern. Und 7038 sowie 7097 zeigen, wie viel Spannung eine Sekunde erzeugen kann, wenn sie nicht als Zeiger über ein Zifferblatt läuft, sondern als Bewegung über eine Skala gedacht wird.

Wer eine Breguet sucht, die weniger über klassisches Zifferblattdesign kommt und mehr über Uhrmacherei als sichtbare Ordnung, findet in diesen Modellen genau die richtige Konsequenz.

Weitere Informationen zu Breguet finden Sie auf der Seite der Marke hier.


Text ©Cedric Schneiders, Watchlounge Editor • Bilder ©Breguet