A. Lange & Söhne 1815 Tourbillon und Richard Lange Springende Sekunde

Mechanische Präzision zelebriert

Mit zwei neuen limitierten Modellen demonstriert A. Lange & Söhne erneut sächsische Uhrmacherkunst auf höchstem Niveau. Die 1815 Tourbillon und die Richard Lange Springende Sekunde kombinieren traditionelles Design mit innovativer Mechanik. Fachkundige Liebhaber feinster Uhrwerkstechnik dürfen sich auf technische Raffinessen wie einen stoppbaren Tourbillon mit Nullstell-Funktion und ein Nachspannwerk mit springender Sekunde freuen, in eleganten Gehäusen aus Platin und Weißgold. Wie diese Zeitmesser mechanische Tradition und Fortschritt vereinen, offenbart ein genauer Blick auf Gehäuse, Zifferblatt und Werk beider Neuheiten.

1815 Tourbillon – Platin, Emaille und ein tourbillongesteuerter Sekundenstopp

Die neue 1815 Tourbillon (Ref. 730.094F) präsentiert sich als Hommage an Präzision und Handwerkskunst. A. Lange & Söhne stattet diese limitierte Edition von 50 Exemplaren in 950er Platin mit einem tiefschwarzen Zifferblatt aus Grand-Feu-Emaille aus. Im charakteristischen 39,5 mm Gehäuse, Höhe 11,3 mm, wirkt die Uhr trotz komplexer Konstruktion zurückhaltend und elegant am Handgelenk. Das Zifferblattdesign zitiert die 1815-Uhrenfamilie: arabische Ziffern und eine umlaufende Eisenbahn-Minuterie im Stil Chemin de fer vor schwarzem Emaille-Grund.

Diese klassische Minuterie erinnert an das goldene Eisenbahnzeitalter des 19. Jahrhunderts, in dem präzise Taschenuhren an Bedeutung gewannen. Die in mehreren Brennvorgängen hergestellte Emaille-Oberfläche verleiht dem Zifferblatt Tiefe und Klarheit. Sämtliche Ziffern, Skalierungen und der Markenname schließen bündig mit der Emailleoberfläche ab, eine Fertigung, die mehr als 100 Arbeitsschritte und mehrere Wochen pro Zifferblatt beansprucht. Selbst die runde Aussparung für das bei 6 Uhr sichtbare Tourbillon wird von Hand poliert und angliert, ohne die empfindliche Emaille zu beschädigen.

Tourbillon mit Sekundenstopp und Zero-Reset

Im Zentrum dieser Uhr steht das namensgebende Minutentourbillon, das durch die große Öffnung bei 6 Uhr eindrucksvoll zur Geltung kommt. Der filigrane Käfig rotiert einmal pro Minute und trägt den kleinen Sekundenzeiger, um die Einflüsse der Schwerkraft auf die Unruh auszugleichen. A. Lange & Söhne belässt es jedoch nicht bei der klassischen Tourbillon-Konstruktion, die Ingenieure aus Glashütte haben sie zeitgemäß weitergedacht. Erstmals wurde hier ein Tourbillon mit einem Sekundenstopp kombiniert, der beim Ziehen der Krone die Unruh innerhalb des drehenden Käfigs augenblicklich zum Stillstand bringt. Gleichzeitig springt der Sekundenzeiger durch den ZERO-RESET-Mechanismus exakt auf die Nullposition.

Dieses Zusammenspiel beider Mechanismen ermöglicht es, die Uhr auf die Sekunde genau einzustellen. Konkret drückt beim Ziehen der Krone ein Hebel auf eine herzförmige Scheibe am Tourbillon, wodurch der am Tourbillonkäfig montierte Sekundenzeiger sofort auf 12 Uhr zurückstellt. Gleichzeitig legt eine fein geformte Stoppfeder die hemmende Kraft an das Schwingsystem an, um die Drehung der Unruh im Tourbillonkäfig zu stoppen. Beim Drücken der Krone entfernt sich die Feder wieder, die Unruh beginnt erneut zu schwingen. Die 1815 Tourbillon wird dadurch zu einem Präzisionsinstrument, das sich sekundengenau synchronisieren lässt. Tradition und Funktion greifen ineinander, ohne den ästhetischen Reiz der Komplikation zu schmälern.

Kaliber L102.1 – Traditionsdetails und Feinverarbeitung

Der Saphirglasboden der 1815 Tourbillon gibt den Blick frei auf das zweifach montierte Manufakturkaliber L102.1 mit Handaufzug. Wie typisch für Lange bestehen die Platinen und Brücken aus naturbelassenem Neusilber und verdecken in Form der Dreiviertelplatine einen Großteil des Werks. An dekorativen Glanzpunkten mangelt es nicht: Der Tourbillon-Käfig und die obere Tourbillonbrücke wurden aufwendig schwarzpoliert, eine seltene Veredelung, die je nach Lichteinfall tiefschwarz oder spiegelhell reflektiert. Im Zentrum des Tourbillons sitzt ein Diamant-Deckstein, eingefasst in einem verschraubten Goldchaton. Dieses Detail stammt direkt aus der Lange-Tradition und kennzeichnete im 19. Jahrhundert die edelsten Taschenuhren. Solche historischen Elemente, wie auch die verschraubten Goldchatons, gebläuten Schrauben und die handgravierte Unruhbrücke, verbinden sich harmonisch mit der modernen Mechanik. Für stabile Gangleistung sorgt eine klassische Schraubenunruh in Kombination mit einer freischwingenden Lange-Unruhspirale aus eigener Fertigung. Das Regulierorgan oszilliert mit 21.600 Halbschwingungen pro Stunde, 3 Hz, und profitiert von der Tourbillon-Konstruktion, über die gesamte Gangreserve von 72 Stunden bleibt die Ganggenauigkeit hoch. Trotz des aufwendigen Mechanismus bleibt das Kaliber mit 6,6 mm Bauhöhe schlank.

Mit 39,5 mm Durchmesser und der klassischen 1815-Ästhetik wirkt die 1815 Tourbillon am Arm wie ein historischer Präzisionszeitmesser, der modernste Uhrentechnik in sich trägt. Das Platingehäuse verleiht ihr spürbare Substanz und Understatement, das hochglänzende schwarze Emaillezifferblatt in Kombination mit dem zurückhaltenden Design erzeugt eine klare, ruhige Anmutung. A. Lange & Söhne knüpft damit an die Erfolgsgeschichte der 1815 Tourbillon an, die 2014 in limitierter Platinausführung sowie als Serienmodell in Rotgold debütierte, es folgten eine limitierte Handwerkskunst-Edition und eine Platinvariante mit weißem Emaillezifferblatt. Die aktuelle Version mit schwarzem Emaille ist die fünfte Ausführung dieses Modells und verbindet die weltweit einzigartige Kombination aus Tourbillon, Sekundenstopp und Nullstell-Funktion mit einer besonders puren Zifferblattarchitektur.

Richard Lange Springende Sekunde – weiße Eleganz mit sprunghafter Präzision

Neun Jahre nach ihrer Premiere meldet sich die Richard Lange Springende Sekunde (Ref. 252.056) in einer neuen, limitierten Edition zurück. Diese vierte Ausführung des auf Präzision fokussierten Modells setzt erneut Maßstäbe in Ablesbarkeit und Gangverhalten und bringt zugleich eine frische Farbgebung. Das 39,9 mm große Gehäuse besteht aus 18 K Weißgold, während das Zifferblatt aus massivem Rotgold gefertigt ist; insgesamt ist es der vierte Zeitmesser von A. Lange & Söhne mit Rotgold-Zifferblatt. Das warme Metallfinish steht in wirkungsvollem Kontrast zum kühlen Weißgold des Gehäuses. Die schwarze Beschriftung auf dem Zifferblatt sorgt für optimale Ablesbarkeit der Anzeigen. Diese sind im klassischen Regulator-Stil angeordnet, das dominante Sekundenblatt oberhalb der Mitte wird von separaten Kreisen für Stunde links und Minute rechts flankiert.

Wo sich die beiden unteren Kreise überschneiden, sitzt eine kleine dreieckige Anzeige, die zehn Stunden vor Ablauf der Gangreserve von Weiß auf Rot wechselt. Diese dezente Aufzugs-Erinnerung signalisiert dem Träger rechtzeitig, wann die Handaufzugsuhr mit 42 Stunden Gangautonomie neue Energie verlangt. Insgesamt ergibt sich ein zurückhaltendes und dennoch individuelles Zifferblattdesign, das historische Vorbilder zitiert. Die Aufteilung geht auf das Präzisionschronometer Nr. 93 des Dresdner Uhrmachers Johann Heinrich Seyffert zurück, dessen klare Gliederung als Inspiration für mehrere Lange-Modelle diente und dessen Instrumente sogar Alexander von Humboldt auf Forschungsreisen begleiteten.

Konstantkraft, springende Sekunde und Nullstellung

Die technische Faszination dieses Zeitmessers beruht auf dem Zusammenspiel dreier Mechanismen. Erstens sorgt ein Nachspannwerk, ein Konstantkraftmechanismus, dafür, dass das Uhrwerk über die gesamte Laufzeit hinweg mit gleichbleibender Kraft versorgt wird. Einmal pro Sekunde wird die Antriebsspirale im Nachspannwerk durch einen Impuls aus dem Federhaus neu gespannt. Genau dieser Impuls bewirkt zweitens auch das charakteristische Springen der Sekunde. Statt kontinuierlich zu gleiten, rückt der Sekundenzeiger sprunghaft im Sekundentakt vor. Es handelt sich um eine Seconde Morte, wie man sie aus historischen Präzisionspendeluhren kennt, hier in ein Armbanduhrenkaliber integriert. Drittens verfügt die Uhr über den Zero-Reset-Mechanismus, der das Einstellen auf die Sekunde erleichtert.

Beim Ziehen der Krone schnappt der Sekundenzeiger durch eine Kupplung augenblicklich auf die Nullmarke. Gleichzeitig wird das Uhrwerk angehalten, eine kleine Stoppfeder greift an die Unruh, sodass die Zeit zum Einstellen steht. Drückt man die Krone zurück, läuft die Uhr weiter, nun synchronisiert mit einem Zeitnormal. Die Kombination aus Nachspannwerk, springender Sekunde und Nullstellung ist selten und demonstriert den konstruktiven Ehrgeiz der Manufaktur. Schon das ursprüngliche Modell war damit ein technisches Statement, das die präzise Sekundenanzeige ins Zentrum rückte, es folgten Ausführungen in verschiedenen Metallen und Zifferblattfarben. Die aktuelle Edition knüpft nahtlos an diese Vorgänger an und behält sämtliche technischen Vorzüge bei.

Blick ins Kaliber L094.1 und Tragecharakter

Durch den Saphirglasboden zeigt sich das handaufgezogene Manufakturkaliber L094.1, Durchmesser 33,6 mm, Höhe 6,0 mm. Es wurde in Glashütte vollständig von Hand montiert, dekoriert und zweimal zusammengesetzt und besteht aus 390 Einzelteilen, darunter 50 Rubine und 8 verschraubte Goldchatons. Die großen Brücken und Platinen aus Neusilber sind mit Glashütter Schliffen versehen und lassen nur einen Teil der Mechanik erkennen. An entscheidenden Stellen sind Aussparungen vorgesehen. Eine Öffnung in der Dreiviertelplatine gibt den Blick frei auf die Antriebsspirale des Nachspannwerks, die im Sekundentakt arbeitet. Daneben sieht man einen kleinen auf der Ankerradwelle befestigten Stern, der als Schaltorgan die springende Sekunde steuert.

Ebenfalls erkennbar ist das Hebelsystem des Zero-Reset, inklusive der feinen Stoppfeder für die Unruh. Neben all dieser Technik kommt die Finissierung nicht zu kurz. Der Unruhkloben trägt eine Meistergravur, Schrauben sind gebläut, Kanten von Hand poliert. Diese Sorgfalt spürt man auch beim Aufziehen der Uhr, jeder Klick des Großbodenrads ist definiert, und beim Blick auf die Gangpartie, wo die Schwanenhalsfeinregulierung mit der Exzenter-Unruh zusammenspielt. Das Regulierorgan schwingt mit 3 Hz, die Spirale stammt aus eigener Fertigung und folgt damit einer Tradition, die auf Richard Lange selbst zurückgeht. Der erstgeborene Sohn des Firmengründers legte mit Forschungen zu Federlegierungen wichtige Grundlagen für die moderne Feinuhrmacherei, sein Name steht heute programmatisch für Präzision.

Trotz ihrer komplizierten Mechanik trägt sich die Richard Lange Springende Sekunde harmonisch. Das Weißgoldgehäuse ist mit 39,9 mm Durchmesser und 10,6 mm Höhe ausgewogen proportioniert. Die komplexen Komponenten wurden so integriert, dass keine unnötige Bauhöhe entsteht, die Uhr liegt mit dem dunkelbraunen Alligatorlederband elegant am Handgelenk. In der aktuellen Farbkombination strahlt sie dezente Individualität aus. Rotgoldene Zifferblätter sind bei A. Lange & Söhne selten, entsprechend begehrt dürfte diese auf 100 Stück limitierte Edition sein. Zusammen mit der neuen 1815 Tourbillon zeigt die Springende Sekunde, wie A. Lange & Söhne traditionelle Uhrmacherkunst mit technischen Finessen vereint. Kenner mechanischer Zeitmesser finden hier zwei exemplarische Belege sächsischer Feinuhrmacherei, in denen Präzision, Handwerk und Eleganz zusammenfinden.

Weitere Informationen zu A.Lange & Söhne finden Sie auf der Seite der Marke hier.


Text ©Cedric Schneiders, Watchlounge Editor • Bilder ©A.Lange & Söhne